Wir gehen uns auf Social Media doch alle nur auf´n Keks. Aber nennen es Inspiration.
Über die große digitale Social-Media-Selbstbespiegelung, inszenierte Befindlichkeiten und die erstaunliche Fähigkeit, aus jeder Belanglosigkeit Content zu machen

Über die große digitale Selbstbespiegelung, inszenierte Befindlichkeiten, frisch verliebte Beziehungsexpertinnen und die erstaunliche Fähigkeit des Menschen, aus absolut jeder Belanglosigkeit Content zu machen.
Ich habe da eine Theorie: Wir gehen uns auf Social Media inzwischen alle gegenseitig unfassbar auf den Keks. Wirklich alle. Und das Faszinierende daran ist, dass wir es anscheinend noch nicht einmal merken. Wir öffnen morgens unsere Apps, betrachten die sorgfältig kuratierten Befindlichkeiten wildfremder Menschen, verdrehen die Augen, regen uns auf, langweilen uns zu Tode, vergleichen uns (Der neidische Blick nach oben: Warum Social Media unser Glück vergiftet), fühlen uns anschließend wahlweise minderwertig oder überlegen – und machen fünf Minuten später genau dasselbe. Nur eben mit unseren eigenen Befindlichkeiten.
Es ist ein bisschen wie eine Party, auf der sämtliche Gäste ausschließlich über sich selbst reden, niemand irgendwem zuhört und trotzdem alle behaupten, es sei ein unglaublich inspirierender Abend gewesen.
Willkommen auf Social Media. Der vermutlich größten kollektiven Selbstbespiegelungsveranstaltung der Menschheitsgeschichte.
Herzlichen Glückwunsch zu deiner Meinung. Wir hatten schon 800 davon.
Früher hatte man eine Meinung und behielt sie gelegentlich sogar für sich. Das war eine durchaus sympathische gesellschaftliche Gepflogenheit. Heute ist jede noch so spontane gedankliche Regung offenbar ein Fall für die Öffentlichkeit. Ob Politik, Kindererziehung, Ernährung, künstliche Intelligenz, Weltfrieden oder die korrekte Art, eine Avocado aufzuschneiden: Irgendjemand muss uns dringend erklären, wie es richtig geht.
Besonders beeindruckend finde ich die Geschwindigkeit, mit der sich Menschen zu Experten für Sachverhalte entwickeln, von denen sie vorgestern noch nie etwas gehört haben. Ein Podcast, zwei Instagram-Reels und drei ChatGPT-Prompts später (Advice Pollution – oder: Halt. Die. Fre**e. Mit. Deinen. Lebensregeln.) wird die Weltlage eingeordnet, das Bildungssystem reformiert und nebenbei erklärt, weshalb sämtliche anderen Menschen das Problem noch immer nicht verstanden haben.
Und selbstverständlich geschieht das alles in einer bemerkenswerten Mischung aus moralischer Überlegenheit und persönlicher Betroffenheit. Man ist schließlich nicht einfach nur anderer Meinung. Man ist fassungslos. Man ist zutiefst erschüttert. Man kann wirklich nicht länger schweigen.
Was für ein Glück, dass wir alle so wahnsinnig viel zu sagen haben. Was für ein Pech, dass das meiste davon schon tausendmal gesagt wurde.
Die digitale Öffentlichkeit gleicht mittlerweile einer gigantischen Talkshow, in der ausschließlich Gäste sitzen, die sich selbst eingeladen haben. Alle haben das Wort, alle wollen das letzte Wort, und aus irgendeinem unerfindlichen Grund glauben sämtliche Beteiligten, dass die Welt von ihrem Beitrag abhängt.
Dabei würde es der Welt gelegentlich schon helfen, wenn jemand einfach mal die Klappe hielte.
Vom Traummann zur Masterclass in drei Wochen
Besonders schön ist allerdings die wundersame Verwandlung persönlicher Erlebnisse in universell gültige Lebensweisheiten.
Neulich erzählte mir eine Freundin von einer Bekannten, die offenbar ihren Traummann gefunden hat. Großartig! Ich freue mich über Menschen, die verliebt sind. Wirklich. Es gibt schließlich genug Elend auf diesem Planeten.
Nun scheint diese noch recht frische Beziehung allerdings eine derart epochale Bedeutung zu besitzen, dass die Öffentlichkeit in Echtzeit daran teilhaben muss. Das glückliche Paar beim Frühstück. Das glückliche Paar beim Abendessen. Das glückliche Paar im Urlaub. Das glückliche Paar, das sich glücklich anschaut, während es glücklich ist. Dazu bedeutungsschwangere Botschaften über Seelenverwandtschaft, Manifestation, feminine Energie und das Universum, das einem endlich genau den Menschen geschickt hat, den man verdient.
Nun gut. Liebe macht bekanntlich blind. Offenbar auch für die Geduldsgrenzen des eigenen Publikums.
Richtig interessant wird es aber jetzt: Die Dame bietet inzwischen Masterclasses an. Zum Thema, wie man seinen Traumpartner findet. Und, man höre und staune, wie man ihn anschließend behält. Ich meine, Chapeau!
Keine dreißig Jahre alt, den Traummann gerade erst gefunden und schon die komplette Betriebsanleitung für die Liebe geschrieben. Andere Menschen brauchen dafür Jahrzehnte, gescheiterte Beziehungen, gemeinsame Steuererklärungen, schlaflose Nächte, Krisen, Kompromisse und die Erkenntnis, dass man jemanden auch dann noch lieben können muss, wenn er zum achthundertsten Mal seine Socken neben den Wäschekorb wirft.
Aber gut, warum auf Lebenserfahrung warten, wenn man schon einen Instagram-Account hat?
Ich wünsche dem glücklichen Paar selbstverständlich von Herzen, dass die Liebe ewig hält. Allerdings frage ich mich, ob es wohl in zehn Jahren, nach der ersten Scheidung, eine Anschluss-Masterclass geben wird. „How to consciously release your dream partner – and attract an even dreamier one.“ Frühbucherrabatt inklusive.
Das eigentlich Geniale an diesem Geschäftsmodell: Egal, was passiert, es lässt sich monetarisieren.
Und genau darin liegt für mich eines der größten Phänomene unserer digitalen Gegenwart: Aus einer persönlichen Erfahrung wird eine Expertise. Aus einem Glücksfall eine Methode. Aus einem Gefühl ein Geschäftsmodell. Und aus jemandem, der gerade erst selbst angefangen hat, sich mit einem Thema zu beschäftigen, wird plötzlich ein Mensch, der anderen erklärt, wie das Leben funktioniert.
Es gibt anscheinend nichts mehr, was wir einfach erleben dürfen, ohne daraus eine Anleitung für andere zu basteln.
Heute fühle ich mich verletzlich. Hier ist mein Rabattcode.
Natürlich wäre es ungerecht, ausschließlich auf die glücklichen Menschen einzudreschen. Schließlich haben auch die Unglücklichen längst erkannt, wie wunderbar sich ihre Befindlichkeiten öffentlich verwerten lassen.
Da wird gelitten, gezweifelt, geweint, gestruggelt, reflektiert und geheilt, dass es eine wahre Freude ist. Wir erfahren von inneren Kindern, toxischen Energien, emotionalen Durchbrüchen, schwierigen Phasen und dem unglaublich mutigen Schritt, heute einfach einmal nur an sich selbst zu denken.
Besonders rührend finde ich die perfekt inszenierte Verletzlichkeit. Das sorgfältig ausgeleuchtete Foto mit nachdenklichem Blick aus dem Fenster. Dazu ein Text darüber, dass man heute einmal ganz ehrlich sein möchte. Dass eben auch bei einem selbst nicht immer alles perfekt ist. Dass man lange überlegt habe, ob man diese sehr persönliche Geschichte teilen soll.
Und dann teilt man sie. Mit 27 Hashtags, einem professionellen Porträt und einem Call-to-Action.
Natürlich gibt es echte Sorgen, echte Krisen und Menschen, denen es hilft, ihre Erfahrungen öffentlich zu teilen. Daran ist überhaupt nichts auszusetzen. Was mich zunehmend nervt, ist diese seltsame Ästhetisierung des Leidens, bei der sich selbst der Zusammenbruch noch für den Algorithmus hübsch machen muss.
Manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass die eigentliche Tragödie weniger im Erlebten liegt als in der Vorstellung, dass es niemand mitbekommen könnte.
Denn Aufmerksamkeit ist die Währung. Und was Aufmerksamkeit bringt, wird produziert. Glück, Unglück, Empörung, Verletzlichkeit, Heilung. Hauptsache, irgendetwas davon lässt sich in ein hübsches Format gießen.
Fünf Learnings aus meinem gestrigen Stuhlgang
Auf LinkedIn (LinkedIn ist die neue Raucherpause: Sie kostet Unternehmen Millionen. Und die fördern sie auch noch.) hat dieses Prinzip inzwischen eine ganz eigene Kunstform hervorgebracht: die zwanghafte Verwandlung absolut alltäglicher Vorkommnisse in tiefgründige Business-Weisheiten.
Da hat jemand beim Bäcker in der Schlange gestanden und dabei sieben fundamentale Wahrheiten über Leadership erkannt. Jemand anderes hat seine Kaffeemaschine entkalkt und daraus ein revolutionäres Framework für Change Management entwickelt. Eine dritte Person hat ihren Hund beobachtet und verstanden, weshalb moderne Unternehmen mehr psychologische Sicherheit brauchen.
Man wartet eigentlich nur noch auf den Beitrag: „Was mich mein gestriger Stuhlgang über agile Transformation gelehrt hat.“
Mit fünf Bulletpoints, einer überraschenden Wendung und der abschließenden Frage: „Wie geht ihr mit Veränderung um? Schreibt es mir in die Kommentare!“
Und darunter kommentieren 147 Menschen, wie unglaublich wertvoll dieser Impuls war. Weil man sich kennt. Weil man sich gegenseitig unterstützt. Und weil man selbstverständlich hofft, dass die anderen morgen unter dem eigenen Stuhlgang-Beitrag ebenfalls ein bisschen Applaus hinterlassen. Es ist eine gigantische digitale Schulterklopfmaschine geworden.
Natürlich gibt es dort kluge Menschen mit echtem Wissen, interessanten Perspektiven und bemerkenswerten Erfahrungen. Das Tragische ist, dass sie zunehmend im endlosen Strom jener Beiträge untergehen, die zwar aussehen wie Wissen, aber hauptsächlich aus hübsch aufbereiteten Selbstverständlichkeiten bestehen. „Veränderung beginnt bei dir.“ „Erfolg ist eine Frage des Mindsets.“ „Du musst nur an dich glauben.“ Ach was.
Danke, Konfuzius. Ohne diesen Denkanstoß wäre ich heute vermutlich orientierungslos gegen eine Laterne gelaufen. Warum ich der Plattform trotz allem den Rücken gekehrt habe, steht in LinkedOut und trotzdem da – Ein Survival-Guide für alle, die keine Lust auf LinkedIn haben.
Und hier noch mein Outfit von Dienstag
Selbstverständlich brauchen wir zwischendurch auch ein bisschen Leichtigkeit. Deshalb zeigen wir uns gegenseitig, was wir anhaben, was wir essen, wo wir sitzen, was wir kaufen und wie unglaublich ästhetisch unser ganz normaler Dienstag aussieht.
Outfit of the Day. Get Ready With Me. Morning Routine. Night Routine. My Life Lately.
Es ist schon erstaunlich, wie viel Zeit die Menschheit inzwischen damit verbringt, anderen Menschen dabei zuzusehen, wie sie ihr Leben dokumentieren, anstatt das eigene zu leben.
Besonders faszinierend finde ich, wie sich die Dinge wiederholen. Die gleichen Posen, die gleichen Kaffeetassen, die gleichen Hotelzimmer, die gleichen Sonnenuntergänge, die gleichen bedeutungsvollen Blicke über irgendwelche Dächer. Selbst die vermeintliche Individualität wird inzwischen nach erstaunlich einheitlichen ästhetischen Vorgaben inszeniert.
Alle wollen einzigartig sein. Und sehen dabei aus, als hätten sie dieselbe Bedienungsanleitung bekommen.
Das alles wäre natürlich vollkommen harmlos, wenn es uns nicht so viel Zeit, Energie und Aufmerksamkeit kosten würde. Wenn wir uns nicht ununterbrochen mit fremden Leben beschäftigten, die uns eigentlich herzlich egal sein könnten. Wenn wir nicht gleichzeitig glaubten, unser eigenes Leben müsse ebenfalls permanent dokumentiert, bewertet und öffentlich für bemerkenswert befunden werden.
Wir haben offenbar irgendwann beschlossen, dass eine Erfahrung erst dann richtig stattgefunden hat, wenn andere Menschen sie gesehen haben.
Wir nennen es Inspiration. Weil Zeitverschwendung so unattraktiv klingt.
Und jetzt kommt der eigentlich absurde Teil dieser ganzen Veranstaltung.
Obwohl wir uns gegenseitig so furchtbar nerven, bleiben wir da.
Wir scrollen weiter. Durch die hundertste Lebensweisheit, das vierhundertste Outfit, den nächsten inszenierten Nervenzusammenbruch und die nächste Liebesgeschichte mit angeschlossenem Onlinekurs. Wir verdrehen die Augen, schütteln den Kopf, schicken besonders absurde Beiträge an unsere Freunde und schreiben dazu: „Guck dir DAS mal an!“ Und dann scrollen wir weiter. Natürlich behaupten wir, das alles hätte einen höheren Zweck.
Wir informieren uns. Wir bilden uns weiter. Wir lassen uns inspirieren. Wir vernetzen uns. Wir wollen wissen, was in der Welt passiert.
Klingt ja auch wesentlich besser als: „Ich habe gerade 47 Minuten damit verbracht, mir die Befindlichkeiten von Menschen anzuschauen, die ich weder kenne noch sonderlich interessant finde.“
Wissen und Inspiration sind inzwischen die gesellschaftlich akzeptierten Tarnkappen für etwas, das wir uns sonst nur schwer eingestehen können: Wir sind neugierig, gelangweilt, ablenkbar und offensichtlich erstaunlich leicht mit völlig belanglosem Kram zu beschäftigen.
Und zwischendurch finden wir ja tatsächlich etwas Gutes. Einen klugen Gedanken. Eine interessante Geschichte. Eine neue Perspektive. Genau das macht die Sache so perfide. Zwischen all dem digitalen Gerümpel liegt gelegentlich ein echter Schatz. Also wühlen wir weiter. Wie auf einem riesigen Flohmarkt, auf dem wir nach drei Stunden mit einer kaputten Vase nach Hause kommen und behaupten, wir hätten einen fantastischen Fund gemacht.
Die Algorithmen kennen dieses Spiel bestens. (Worauf wir klicken, davon bekommen wir mehr) Sie wissen, dass uns längst nicht nur das gefällt, was wir mögen. Sie wissen auch, wie zuverlässig uns Dinge beschäftigen, die wir vollkommen bescheuert finden.
Und womöglich ist das sogar eine der größten Ironien der sozialen Medien: Wir geben den Menschen, die uns auf die Nerven gehen, ausgerechnet die Aufmerksamkeit, nach der sie suchen.
Empörung ist schließlich auch Engagement. (Uns fehlt die Mitte)
Das Schlimmste ist: Wir machen alle mit.
Bevor jetzt jemand glaubt, ich würde mich hier hochnäsig über die digitale Menschheit erheben: Ich kenne diese Mechanismen sehr gut. Ich habe schließlich selbst jahrelang mitgespielt. Habe Dinge geteilt, von denen ich dachte, dass sie interessant sein könnten. Habe mich über Beiträge geärgert, die ich problemlos hätte ignorieren können. Habe geschaut, wer was macht, wer was sagt und wer sich gerade für besonders wichtig hält.
Und ja, selbstverständlich halte auch ich meine eigenen Gedanken gelegentlich für so interessant, dass ich sie öffentlich auf meiner Website veröffentliche. Wie diesen hier.
Das ist ja das Herrliche an der Sache: Die eigene Selbstdarstellung erscheint uns meistens vollkommen legitim. Schließlich haben wir wirklich etwas zu sagen. Bei den anderen hingegen erkennen wir den Narzissmus zuverlässig schon aus drei Kilometern Entfernung.
Wir alle haben gute Gründe, weshalb ausgerechnet unsere Inhalte relevant sind. Wir alle haben etwas erlebt, gelernt, verstanden, das wir gerne weitergeben möchten. Und wir alle sind überzeugt, dass unser Beitrag dem digitalen Universum einen kleinen Mehrwert hinzufügt.
Das Problem ist nur, dass sich dieser Gedanke inzwischen millionenfach wiederholt.
Und wenn jeder permanent etwas Wichtiges mitzuteilen hat, verliert irgendwann selbst das tatsächlich Wichtige seine Bedeutung.
Wir haben uns eine Öffentlichkeit gebaut, in der Aufmerksamkeit zur knappsten Ressource geworden ist, während das Angebot an Menschen, die sie beanspruchen, praktisch unbegrenzt erscheint.
Kein Wunder, dass alles lauter, schriller, emotionaler und absurder werden muss. Wer mit gewöhnlichen Gedanken nicht mehr durchdringt, braucht eben außergewöhnliche Inszenierungen. Und wenn die nicht reichen, dann hilft vielleicht ein bisschen mehr Drama. Ein bisschen mehr Betroffenheit. Ein bisschen mehr Empörung. Oder eben eine Masterclass über den Traummann. Hauptsache, irgendjemand schaut zu.
Alle Texte zu Quit the Feed & Social-Media-Ausstieg →
Was wäre, wenn wir uns einfach mal wieder gegenseitig in Ruhe ließen?
Ich glaube, wir haben uns an etwas gewöhnt, das eigentlich ziemlich merkwürdig ist: die Vorstellung, dass Menschen permanent öffentlich anwesend sein müssen. Dass jeder Gedanke geteilt, jede Erfahrung dokumentiert, jede Erkenntnis vermarktet und jede persönliche Entwicklung von einem interessierten Publikum begleitet werden sollte.
Dabei hat ein Leben auch dann einen Wert, wenn niemand dabei zusieht.
Eine glückliche Beziehung wird nicht glücklicher, weil tausend Menschen Herzchen daruntersetzen. Eine Erkenntnis wird nicht klüger, weil man sie auf eine hübsche Kachel druckt. Ein Problem wird nicht automatisch bedeutsamer, weil man es mit dramatischer Musik unterlegt. Und ein Mensch wird auch nicht zum Experten, weil er seine eigene Lebenserfahrung mit einem Buchungslink versieht.
Es könnte uns ausgesprochen guttun, wieder ein bisschen anspruchsvoller mit unserer eigenen Aufmerksamkeit umzugehen. Uns häufiger zu fragen, ob wir tatsächlich etwas lernen oder bloß anderen Menschen beim öffentlichen Kreisen um sich selbst zusehen. Und ob das, was wir selbst gerade unbedingt in die Welt hinausposaunen möchten, dort wirklich noch gefehlt hat.
Man muss auch nicht zu allem eine Meinung haben. Man muss aus einem guten Abend keine Story machen. Man darf verliebt sein, ohne anderen einen Beziehungskurs zu verkaufen. Man darf traurig sein, ohne seine Tränen zu monetarisieren. Und man darf durchaus ein hübsches Outfit tragen, ohne dass sich die gesamte digitale Öffentlichkeit davon überzeugen muss.
Vor allem aber darf man auch einfach mal leben, ohne sich dabei selbst zuzuschauen. Ich weiß, das ist eine ziemlich revolutionäre Vorstellung.
Und jetzt entschuldigt mich bitte. Ich muss diesen Artikel veröffentlichen, damit möglichst viele Menschen erfahren, wie sehr mir andere Menschen mit ihren Veröffentlichungen auf den Keks gehen.
Falls euch der Beitrag gefallen hat, lasst gerne ein Like da, teilt ihn mit euren Freunden und schreibt mir in die Kommentare, wie ihr das seht. War ein Scherz. Obwohl. Vielleicht sollte ich dazu eine Masterclass anbieten.
Wer lieber ganz aussteigt statt weiterzuscrollen: Ich bin dann mal raus: Was wirklich passiert, wenn man Social Media löscht und Der große Entzug: 5 Stunden, 5 Schritte — Ein Exit-Programm für den Ausstieg.
FAQ
FAQ – Selbstdarstellung, LinkedIn und digitale Müdigkeit
Warum nervt Social Media so viele Menschen?+
Weil aus Austausch Dauersendung geworden ist: Jede Meinung, jede Befindlichkeit und jede Alltagsszene wird öffentlich inszeniert und vermarktet. Wer das beobachtet, pendelt zwischen Langeweile, Empörung und Vergleich – und bleibt trotzdem hängen, weil die Plattformen genau darauf gebaut sind.
Was ist das Problem mit LinkedIn?+
LinkedIn verwandelt zunehmend Alltagsbanalitäten in tiefgründige Business-Weisheiten – vom Bäckerbesuch bis zur Kaffeemaschine. Echtes Wissen geht in der Flut hübsch aufbereiteter Selbstverständlichkeiten unter. Mehr dazu in den Artikeln LinkedIn ist die neue Raucherpause und Warum ich nicht auf LinkedIn bin.
Ist inszenierte Verletzlichkeit auf Social Media echt?+
Es gibt echte Krisen und Menschen, denen das Teilen hilft. Problematisch wird es, wenn Leid ästhetisiert und mit Hashtags, Profifoto und Call-to-Action vermarktet wird – dann ist Aufmerksamkeit die Währung und die Befindlichkeit das Produkt.
Warum scrollen wir weiter, obwohl uns alles nervt?+
Weil die Algorithmen genau damit arbeiten: Empörung ist auch Engagement. Zwischen dem digitalen Gerümpel liegt gelegentlich ein echter Schatz – und diese variable Belohnung hält uns zuverlässig im Feed.
Gibt es einen Vortrag zu Social-Media-Kritik und digitalem Ausstieg?+
Ja. Henriette Hochstein-Frädrich hält die Keynote „Quit the Feed!“ – Social Media, Aufmerksamkeit & Digital Detox für Unternehmen, Konferenzen und Teams. Eine Anfrage ist über die Kontaktseite möglich.







