Überforderung im Job: Was Führungskräfte tun können, bevor das Team kippt

Krankmeldungen steigen, die Stimmung kippt, die Besten kündigen. Überforderung im Job kommt selten plötzlich. Was Führungskräfte tun können, bevor das Team kippt – und warum Resilienz keine Privatsache ist.
„Wir sind gerade alle ein bisschen am Limit.“ Diesen Satz höre ich in Unternehmen inzwischen so oft, dass er fast wie eine Begrüßungsformel klingt. Und genau das ist das Problem: Überforderung ist normal geworden. So normal, dass man sie erst bemerkt, wenn es zu spät ist.
Überforderung hat Vorboten
Sie zeigt sich selten als großer Knall. Eher als leises Bröckeln. Menschen, die sonst viel sagen, werden still. Zynismus nimmt zu. Fehler häufen sich. Pausen fallen aus, Mails kommen nachts. Und die Frage „Wie geht's dir?“ wird mit „Muss ja“ beantwortet. Wer diese Signale kennt, kann früher reagieren. Dafür hilft es zu verstehen, was Stress eigentlich ist – und warum er nicht per se schlecht ist, sondern erst dann gefährlich wird, wenn die Erholung fehlt.
Resilienz ist kein Gummiband
Oft wird Resilienz missverstanden als die Fähigkeit, immer mehr auszuhalten. Noch ein Projekt, noch eine Deadline, noch ein Workshop zum Thema Achtsamkeit. Aber Resilienz ist nicht die Kunst, immer weiterzumachen. Sie ist die Fähigkeit, die eigene Mitte zu behalten – oder sie wiederzufinden. Und genau diese Mitte fehlt uns gerade an vielen Stellen.
Was Führung konkret tun kann
Priorisieren statt addieren: Wenn etwas Neues dazukommt, muss etwas anderes wegfallen. Klingt banal, passiert aber fast nie. Pausen ernst nehmen: Wer selbst nie Pause macht, signalisiert, dass Pausen Schwäche sind. Fokus schützen: Meetingfreie Zeiten, weniger Kanäle, weniger Dauererreichbarkeit – Deep Work ist das neue New Work. Ansprechbar sein: nicht nur für Ergebnisse, sondern für Zustände. Und: Hilfe holen, bevor es brennt.
Resilienz ist keine Privatsache, die jede und jeder für sich am Wochenende im Yoga-Kurs regelt. Sie ist auch eine Frage von Strukturen, Kultur und Führung. Teams kippen nicht, weil Menschen schwach sind. Sie kippen, weil das System ihnen keine Luft mehr lässt.
FAQ
Häufige Fragen zum Artikel
Woran erkennt man Überforderung im Team?+
An leisen Signalen: Menschen werden still, Zynismus und Fehler nehmen zu, Pausen fallen aus, Mails kommen nachts.
Ist Resilienz die Fähigkeit, mehr auszuhalten?+
Nein. Resilienz ist die Fähigkeit, die eigene Mitte zu behalten oder wiederzufinden – nicht immer weiterzumachen.
Was können Führungskräfte gegen Überforderung tun?+
Priorisieren statt addieren, Pausen vorleben, Fokuszeiten schützen, ansprechbar sein und früh Hilfe holen.
Ist Resilienz Privatsache?+
Nein. Resilienz hängt auch von Strukturen, Kultur und Führung ab.
Gibt es einen Resilienz-Vortrag für Unternehmen?+
Ja. Henriette Hochstein-Frädrich hält Keynotes und Workshops zu Resilienz und Mental Health am Arbeitsplatz.







