OpenAI Ads im B2B? Sorry, aber leider für´n Arsch.
Ich habe Werbung in ChatGPT geschaltet. Die Idee fand ich genial, die Klickzahlen erfreulich. Bis ich mich gefragt habe, wer meine Anzeigen eigentlich überhaupt sehen kann. Ein ziemlich ernüchternder Selbstversuch über KI-Werbung, Zielgruppen und einen Denkfehler, der Werbetreibende ordentlich Geld kosten kann.

Ich probiere ja gerne Dinge aus. Vor allem neue. Und vor allem dann, wenn KI draufsteht. Kann man mich mit kriegen. Funktioniert leider ziemlich zuverlässig. Als OpenAI Ende August 2026 seinen Ads Manager in Europa für alle Werbetreibenden öffnete, war ich deshalb selbstverständlich sofort dabei. Werbung direkt in ChatGPT schalten - da wo gefühlt quasi alle sind? Wie cool ist das denn bitte?
Also habe ich Kampagnen eingerichtet. Für mein eigenes Business als Keynote Speakerin und für meine Plattform SpeakerMatching, auf der Unternehmen und Veranstalter passende Speaker für ihre Events finden können. Beides klassische B2B-Geschäfte. Meine Zielgruppen: Menschen aus HR, Marketing, Eventmanagement, Personalentwicklung, Unternehmenskommunikation. Eben Menschen, die beruflich Veranstaltungen organisieren, Speaker suchen, Budgets verantworten und Aufträge vergeben.
Kampagnen erstellt, Anzeigen formuliert, Zielgruppen beschrieben, Budget festgelegt. Los ging's. Und siehe da: Es funktionierte! Jedenfalls auf den ersten Blick. Die Anzeigen generierten Klicks. Gar nicht mal so wenige. Es wurde angezeigt, ausgeliefert, geklickt und fleißig Budget verbraucht. Nur eines passierte nicht: Irgendetwas, das für mein Geschäft tatsächlich relevant gewesen wäre. Keine Conversions. Keine erkennbaren geschäftlichen Ergebnisse. Nüscht.
Kann natürlich passieren. Neue Plattform, neuer Algorithmus, Lernphase, bla bla bla. Bis ich mir eine Frage stellte, die ich mir vielleicht besser vor dem Kampagnenstart hätte stellen sollen: Wer sieht diese Werbung eigentlich? Und ab da wurde es interessant.
Die Idee hinter ChatGPT Ads ist eigentlich ziemlich geil
Bevor ich jetzt über OpenAI Ads herziehe, muss ich nämlich eines sagen: Das Grundprinzip finde ich wirklich gut. Bei Google Ads arbeitet man stark mit Keywords und Suchbegriffen. Jemand tippt „Keynote Speaker Führung“ ein, und wenn man seine Kampagne ordentlich aufgesetzt hat, erscheint im Idealfall die passende Anzeige. Funktioniert. Seit Jahren.
Aber ChatGPT bietet theoretisch etwas viel Spannenderes: Kontext statt nur Keywords. Menschen tippen dort ja nicht einfach drei Stichwörter ein. Sie beschreiben Situationen, Probleme, Wünsche, Ziele.
Zum Beispiel: „Wir veranstalten im November eine Führungskräftetagung mit 200 Teilnehmern. Wir suchen einen inspirierenden Impulsvortrag zum Thema Veränderung, der motiviert, nicht zu wissenschaftlich ist und auch ein bisschen Humor mitbringt.“
Bingo! Das ist doch für jemanden wie mich ein Traum. Ich muss nicht darauf hoffen, dass irgendwer ein bestimmtes Keyword verwendet. Über sogenannte Context Hints kann ich sehr genau beschreiben, für welche Bedürfnisse, Situationen und Fragestellungen mein Angebot relevant ist. Wer sucht was? In welchem Zusammenhang? Mit welcher Absicht? Welches Problem soll gelöst werden? Das ist ein deutlich differenzierterer Ansatz als die reine Orientierung an Suchbegriffen. Finde ich als Konzept smart, logisch und großartig.
Kleine Einschränkung: Diese Context Hints sind keine harten Targeting-Regeln. OpenAI nutzt sie neben weiteren Signalen, um die Relevanz einer Anzeige einzuschätzen. Sie garantieren also weder, dass eine Anzeige in einem bestimmten Gespräch erscheint, noch, dass ich damit tatsächlich eine bestimmte Berufsgruppe treffe. Aber die Idee dahinter? Hat definitiv Charme. Nur leider habe ich bei all meiner Begeisterung einen entscheidenden Punkt übersehen.
Wer sieht diese Werbung eigentlich?
Ich selbst nutze ChatGPT jeden Tag. Beruflich. Viel. Sehr viel. Und mir ist in meinem ganzen Leben noch keine einzige Anzeige in ChatGPT begegnet. Keine. Null. Nada. Seltsam eigentlich, oder? Ich soll also Geld dafür bezahlen, dass andere Menschen Werbung in einem Tool sehen, in dem ich selbst noch nie Werbung gesehen habe? Also habe ich nachgeschaut. Und siehe da: Ich nutze ChatGPT Plus. Und bei Plus gibt es gar keine Werbung.
Das ist nämlich die kleine, aber ziemlich entscheidende Besonderheit von OpenAI Ads: Werbung erscheint ausschließlich bei Nutzern der kostenlosen Free-Version und des günstigen Go-Tarifs. Wer ChatGPT Plus, Pro, Business, Enterprise oder Edu verwendet, bekommt keine Werbung ausgespielt. Überhaupt keine.
Und da saß ich nun mit meinen hübschen Kampagnen und dachte: Moment mal. Wer nutzt denn eigentlich ChatGPT beruflich? Und noch viel wichtiger: Wer darf ChatGPT beruflich überhaupt nutzen?
KI im Unternehmen: Willkommen in der Realität
Während Google mehr oder weniger selbstverständlich zum beruflichen Alltag gehört, sieht die Welt bei KI-Tools nämlich ein bisschen anders aus. Nicht jeder Mitarbeiter darf einfach nach Lust und Laune ChatGPT öffnen und irgendwelche Unternehmensinformationen eingeben. Es gibt Datenschutzrichtlinien. IT-Sicherheitsvorgaben. Freigegebene Tools. Interne KI-Lösungen. Microsoft Copilot. Enterprise-Versionen. Und natürlich Unternehmen, in denen noch leidenschaftlich diskutiert wird, ob KI jetzt die größte Revolution seit der Erfindung des Rades oder der direkte Weg in den Untergang der Menschheit ist.
Eine Bitkom-Studie vom September 2026 zeigt, dass mittlerweile 57 Prozent der deutschen Unternehmen ab 20 Beschäftigten KI einsetzen. Klingt viel. Heißt aber eben nicht, dass deren Mitarbeitende alle ChatGPT verwenden. Geschweige denn die werbefinanzierte Version. Wie unterschiedlich KI im Unternehmen eingesetzt wird, zeigt auch meine Moderation der DFKI-Tagung „Smart Enterprise“.
Und die rechtlichen und organisatorischen Hürden sind real: Unter den Unternehmen, die KI bereits einsetzen, nennen laut derselben Studie 66 Prozent Datenschutzanforderungen als Hemmnis, 56 Prozent rechtliche Unsicherheiten. Anders formuliert: Nur weil jemand KI im Job nutzt, bedeutet das noch lange nicht, dass dieser Mensch mit einem kostenlosen ChatGPT-Account durch die Gegend chattet.
Vielleicht sitzt er in einer abgesicherten Firmenumgebung. Vielleicht nutzt er Copilot. Vielleicht eine unternehmensinterne Lösung. Vielleicht ist ChatGPT in seiner Organisation überhaupt nicht freigegeben. Und damit ist er für meine ChatGPT-Werbung schlicht unerreichbar. Ich kann die perfekte Anzeige für den perfekten Kunden erstellen. Wenn dieser Kunde gar nicht in der werbefinanzierten ChatGPT-Welt unterwegs ist, nützt mir das exakt gar nichts.
Die professionellen Nutzer? Ausgerechnet die sind werbefrei.
Nehmen wir also an, meine Wunschkundin ist HR-Managerin in einem größeren Unternehmen. Sie organisiert gerade ein internes Führungskräfte-Event. Dafür benötigt sie einen Speaker zum Thema Veränderung und Motivation. Sie nutzt KI intensiv für ihre tägliche Arbeit. Wunderbar! Ihr Unternehmen hat sogar ordentlich in KI investiert und seinen Mitarbeitenden ChatGPT Business oder Enterprise zur Verfügung gestellt. Noch wunderbarer!
Nur: Meine Werbung wird sie niemals in diesem Account erreichen. Weil Business und Enterprise werbefrei sind. Genauso wenig wie die selbstständige Eventmanagerin, die sich privat ein Plus-Abo gegönnt hat, weil sie ChatGPT jeden Tag beruflich einsetzt. Oder der Marketingchef mit Pro.
Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Ich möchte professionelle Menschen erreichen, die beruflich mit KI arbeiten. Und ausgerechnet diejenigen, die für die professionelle Nutzung von ChatGPT bezahlen, werden systematisch von meiner Werbung ausgeschlossen. Die für mich besonders interessante Zielgruppe sitzt womöglich hinter einer werbefreien Bezahlschranke. Das ist schon eine gewisse Ironie des digitalen Marketings.
Natürlich gibt es auch Menschen, die ihren kostenlosen privaten ChatGPT-Account beruflich nutzen. Sogenannte Schatten-KI ist in deutschen Unternehmen durchaus verbreitet. Laut einer Bitkom-Erhebung von Oktober 2025 wurde in einem Viertel der befragten Unternehmen die berufliche Nutzung privater KI-Zugänge zumindest vereinzelt oder häufig beobachtet.
Die Zielgruppe ist also nicht vollständig weg. Aber wie groß ist der Anteil meiner tatsächlichen B2B-Entscheider, der bei Free oder Go unterwegs ist? Wie viele davon verwenden ChatGPT ausgerechnet für die Suche nach einem geschäftlichen Dienstleister? Und wie viele sehen dann tatsächlich meine Anzeige? Dazu fehlen belastbare Zahlen. Und genau das ist das Problem.
Ich kann meine Zielgruppe noch so präzise beschreiben. Wenn ich nicht weiß, welcher Teil davon überhaupt Werbung sehen kann, ist mein schönes Targeting am Ende auch nur ein gut formulierter Wunschzettel an den Weihnachtsmann.
Werbefrei gegen Geld. Wie lange noch?
Nun finde ich es ja grundsätzlich erst mal ausgesprochen sympathisch, dass Menschen, die für einen Dienst bezahlen, dafür von Werbung verschont bleiben. Sollte eigentlich selbstverständlich sein. Ist es aber leider nicht. Bestes Beispiel: Amazon Prime Video. Da zahlt man brav seine Prime-Mitgliedschaft, macht es sich abends mit einem Film gemütlich und fühlt sich plötzlich zurückversetzt ins lineare Fernsehen von 1997. Gefühlt alle Viertelstunde irgendein nerviger Werbeblock, den man nicht einmal überspringen kann. Möchte man das Ganze werbefrei genießen, darf man noch einmal extra bezahlen. Hallo? Ich bezahle doch schon! Aber offensichtlich haben wir uns daran gewöhnt, dass Bezahlen längst nicht mehr automatisch bedeutet, von Werbung verschont zu bleiben.
Und damit stellt sich natürlich eine spannende Frage: Wie lange wird OpenAI an seinem derzeitigen Modell festhalten? Denn wenn man einmal darüber nachdenkt, ist Werbung für Plattformbetreiber ein verdammt lukratives Geschäft. Warum hat Google eigentlich nie konsequent ein Modell etabliert, bei dem man beispielsweise für zehn Euro im Monat eine komplett werbefreie Suchmaschine bekommt? Vermutlich auch deshalb, weil das bestehende Werbegeschäft wirtschaftlich schlicht zu attraktiv ist. Google selbst bezeichnet Werbung als seine Haupteinnahmequelle. Und möglicherweise lässt sich mit einem Menschen, dem man regelmäßig passende Anzeigen präsentiert, auf Dauer deutlich mehr Geld verdienen als mit einer monatlichen Nutzungsgebühr. Ob diese Rechnung bei ChatGPT genauso aufgehen würde, wissen wir natürlich noch nicht. Aber spannend ist der Gedanke allemal.
Und hier sitze ich nun in einem ziemlich absurden Dilemma. Als Nutzerin finde ich es großartig, dass ich für ChatGPT bezahle und dafür keine Werbung sehe. Als Unternehmerin, die selbst Werbung schalten möchte, finde ich es hingegen ausgesprochen doof, dass ausgerechnet die Menschen, die für ChatGPT bezahlen, meine Anzeigen nicht sehen können. Ich profitiere also persönlich von genau dem Geschäftsmodell, das mich als Werbetreibende gleichzeitig in den Wahnsinn treibt. Auch schön.
Ich könnte mir jedenfalls vorstellen, dass wir in den kommenden Jahren noch einige interessante Veränderungen erleben werden. Vielleicht werden die werbefreien Tarife irgendwann teurer. Vielleicht entstehen neue Mischmodelle aus Abonnement und Werbung. Vielleicht erleben wir bei KI-Plattformen irgendwann denselben Irrsinn wie bei den Streamingdiensten: Man bezahlt für den Zugang und darf anschließend noch einmal extra bezahlen, wenn man bitte keine Werbung haben möchte. Aktuell verspricht OpenAI für Plus, Pro, Business und Enterprise weiterhin Werbefreiheit. Aber wie sich das Geschäftsmodell entwickelt, wenn die Werbeeinnahmen erst einmal richtig Fahrt aufnehmen, wird sich zeigen. Denn eines dürfte klar sein: Wenn irgendwo richtig viel Geld zu verdienen ist, dauert es meistens nicht lange, bis irgendjemand auf eine ausgesprochen kreative Idee kommt, wie man noch ein bisschen mehr davon verdienen könnte.
Bei Google stellt sich diese Frage so gar nicht
Natürlich ist auch Google Ads nicht perfekt. Davon kann vermutlich jeder ein Lied singen, der schon einmal Budget für irgendwelche merkwürdigen Suchanfragen verbrannt hat. Aber wenn eine Eventmanagerin bei Google nach einem Keynote Speaker sucht, dann kann ich sie mit einer passenden Suchanzeige erreichen. Egal, ob sie im Konzern arbeitet, beim Mittelständler, in einer Agentur oder selbstständig ist. Egal, ob sie gerade im Büro sitzt, auf ihrem privaten Handy sucht oder an einem fremden Rechner. Sie braucht dafür keinen bestimmten Account, keinen speziellen Tarif und keine firmenintern freigegebene Google-Enterprise-Umgebung.
Bei ChatGPT dagegen habe ich eine zusätzliche Hürde, noch bevor meine Anzeige überhaupt relevant werden kann. Zunächst muss mein potenzieller Kunde ChatGPT verwenden. Dann muss er zu der Gruppe gehören, die Werbung sehen kann. Er muss im richtigen Kontext mit ChatGPT sprechen, meine Anzeige muss als relevant eingestuft und ausgespielt werden. Und dann sollte er sie auch noch wahrnehmen, anklicken und idealerweise eine Anfrage stellen oder etwas kaufen. Puh.
Man kann natürlich argumentieren, dass die Suchintention in einem ausführlichen KI-Gespräch viel präziser ist als bei einer kurzen Google-Suche. Stimmt möglicherweise. Aber die präziseste Suchintention der Welt nützt mir nichts, wenn mein Wunschkunde vom Werbesystem ausgeschlossen ist.
Vielleicht ist ChatGPT Ads einfach eher etwas für Käsekuchen als für Keynote Speaker?
Jetzt wird es natürlich interessant. Denn wenn ich mir überlege, in welchen Situationen Menschen ChatGPT privat nutzen, fallen mir sofort unzählige Möglichkeiten für Werbung ein. „Ich möchte am Wochenende einen richtig guten New York Cheesecake backen. Welche Zutaten brauche ich?“ „Ich suche eine Alternative zu diesen sündhaft teuren Carrie-Bradshaw-Schuhen.“ „Wie komme ich möglichst günstig für ein Wochenende nach Paris?“ „Welches Fahrrad eignet sich für meine tägliche Strecke zur Arbeit?“ „Ich brauche eine neue Espressomaschine. Welche ist gut, aber nicht völlig überteuert?“ Da sehe ich jede Menge Potenzial. Reisen. Mode. Lebensmittel. Technik. Einrichtung. Freizeit. Dienstleistungen. Shopping. B2C eben.
Hier muss sich niemand Gedanken machen, ob die Unternehmens-IT die Nutzung erlaubt, ob vertrauliche Firmendaten in einem KI-Modell landen oder ob der Arbeitgeber eine spezielle Enterprise-Lösung bereitstellt. Die Nutzungssituation und die tatsächliche Kaufentscheidung können viel eher in derselben privaten Umgebung stattfinden. Und wenn der Nutzer einen kostenlosen oder Go-Account hat, kann er dort eben auch Werbung sehen.
Bei einer Marketingassistentin, die beruflich für ihre nächste Konferenz einen Keynote Speaker sucht, ist das etwas anderes. Die sitzt vermutlich nicht nach Feierabend auf dem Sofa, öffnet ihren privaten kostenlosen ChatGPT-Account und denkt: „Ach, jetzt suche ich mir noch schnell einen Redner für unsere Führungskräftetagung.“ Kann vorkommen. Klar. Aber möchte ich ernsthaft mein Werbebudget darauf verwetten? Eher nicht.
Und was ist mit meinen ganzen schönen Klicks?
Genau das war für mich schließlich der zweite Realitätscheck. Denn meine OpenAI-Ads-Kampagnen haben ja funktioniert. Zumindest im Sinne des Werbesystems. Ich habe Klicks bekommen. Menschen haben meine Anzeigen gesehen, interessant gefunden und daraufgeklickt. Nur ist Interesse eben noch lange keine Kaufabsicht.
Vielleicht klickt jemand auf SpeakerMatching, weil er neugierig ist, was das für eine Plattform ist. Vielleicht beschäftigt sich jemand generell mit Veranstaltungen oder öffentlichem Sprechen. Vielleicht möchte jemand einfach nur wissen, was eine Keynote Speakerin eigentlich kostet. Alles legitim. Aber ich brauche keine neugierigen Klicker. Ich brauche Unternehmen mit konkretem Speaker-Bedarf. Oder Veranstalter, die wirklich eine Veranstaltung planen. Und bei meiner eigenen Speaker-Tätigkeit brauche ich Menschen, die nicht nur einen Vortrag interessant finden, sondern tatsächlich einen buchen möchten.
Das ist ein himmelweiter Unterschied. Inzwischen bietet OpenAI übrigens auch Conversion-Optimierung sowie Tracking über Pixel und weitere Schnittstellen an. Die Plattform entwickelt sich also weiter. Nur lösen diese technischen Verbesserungen nicht automatisch das Grundproblem. Denn auch der intelligenteste Algorithmus kann mir keinen Kunden bringen, dem er meine Werbung überhaupt nicht zeigen darf. Warum die Suche nach einem Vortrag mehr als bloßes Interesse braucht, beschreibe ich auch in „Speaker-Suche: Matching statt Agenturen“.
OpenAI Ads ist nicht schlecht. Aber vielleicht einfach der falsche Ort für mein Geschäft.
Ich will hier gar nicht behaupten, dass ChatGPT Ads im B2B grundsätzlich nicht funktionieren kann. Natürlich gibt es B2B-Produkte, die für Selbstständige, kleine Unternehmen oder Gründer interessant sind, die wiederum kostenlose KI-Accounts verwenden. Und natürlich gibt es auch berufliche Recherchen in kostenlosen ChatGPT-Versionen.
Aber ich glaube, gerade für spezialisierte B2B-Dienstleistungen, erklärungsbedürftige Angebote und hochwertige Aufträge muss man sich diese Zielgruppenfrage sehr genau stellen. Bevor man Geld ausgibt. Idealerweise jedenfalls. Ich habe mir die entscheidenden Gedanken offensichtlich erst hinterher gemacht.
Denn die wirklich spannende Frage lautet doch: Wie viele Menschen meiner Zielgruppe können meine Anzeige überhaupt sehen? Ich kann mich stundenlang mit ausgefeiltem Targeting, Context Hints und perfekten Werbetexten beschäftigen. Wenn meine potenziellen Kunden überwiegend in werbefreien KI-Umgebungen unterwegs sind, hilft mir das alles herzlich wenig.
Und wenn man auf diese Zielgruppenfrage keine überzeugende Antwort findet, sollte man vielleicht lieber sein Budget dort investieren, wo man die entsprechenden Menschen tatsächlich erreicht. Das kann Google Search sein. Gezielte B2B-Kommunikation über LinkedIn. Direktakquise. Oder gute Inhalte, die von KI-Systemen selbst als relevante Informationen gefunden und genannt werden.
Letzteres finde ich übrigens wesentlich interessanter: Statt dafür zu bezahlen, unter einer ChatGPT-Antwort als Werbung aufzutauchen, möchte ich lieber, dass mein Angebot in einer hilfreichen Antwort als passende Option berücksichtigt wird. Durch Sichtbarkeit, relevante Inhalte und eine überzeugende digitale Präsenz. Denn bezahlten Einfluss auf die eigentliche KI-Antwort bietet ChatGPT Ads ohnehin nicht. Diese Unterscheidung zwischen organischer KI-Sichtbarkeit und bezahlter Werbung vertiefe ich in „Von SEO zu KIO, von SEA zu KIA“.
ERST DENKEN. DANN TARGETIEREN.
Ich finde ChatGPT Ads nach wie vor spannend. Das Prinzip, Werbeanzeigen am Gesprächskontext und an konkreten Bedürfnissen auszurichten, hat enormes Potenzial. Und vielleicht sieht die Welt in einem Jahr schon wieder ganz anders aus.
Aber aktuell? Für mein spezialisiertes B2B-Geschäft hat mich das Experiment nicht überzeugt. Ich habe Klicks eingekauft, aber keine erkennbaren Geschäftsergebnisse erzielt. Und vor allem habe ich verstanden, warum meine Zielgruppe innerhalb von ChatGPT womöglich deutlich kleiner ist, als ich ursprünglich angenommen hatte.
Das ist keine allgemeingültige Performance-Studie. Aber ein ziemlich lehrreicher Selbstversuch. Denn manchmal liegt das Problem einer Werbekampagne weder am Anzeigentext noch am Gebot oder am Algorithmus. Manchmal liegt es schlicht daran, dass die Menschen, die man erreichen möchte, dort gar keine Werbung sehen. Und das ist schon wirklich ein bisschen für den Arsch. Zumindest aus Sicht eines B2B-Werbetreibenden.
Stand: Oktober 2026. Dieser Artikel beschreibt meine persönlichen Erfahrungen und meine Einschätzung von ChatGPT Ads für spezialisierte B2B-Angebote. Die Werbeplattform befindet sich weiterhin in der Entwicklung.
Quellen und weiterführende Informationen:
FAQ
FAQ – ChatGPT Ads im B2B
Sieht jeder ChatGPT-Nutzer Werbung?+
Nein. Werbung erscheint in ChatGPT ausschließlich in der kostenlosen Free-Version und im günstigen Go-Tarif. Wer ChatGPT Plus, Pro, Business, Enterprise oder Edu nutzt, bekommt keinerlei Werbung ausgespielt. Für Werbetreibende ist das die entscheidende Einschränkung.
Warum sind ChatGPT Ads im B2B so problematisch?+
Weil ausgerechnet die berufliche Kernzielgruppe meist in werbefreien Umgebungen unterwegs ist: Unternehmen stellen ChatGPT Business, Enterprise oder eigene KI-Lösungen bereit, viele Beschäftigte arbeiten mit Copilot oder in abgesicherten Firmenumgebungen. Wer für die professionelle Nutzung bezahlt, wird vom Werbesystem also systematisch ausgeschlossen.
Kann ich mit Context Hints gezielt Berufsgruppen ansprechen?+
Nur bedingt. Context Hints beschreiben Bedürfnisse, Situationen und Fragestellungen, die zu einem Angebot passen. OpenAI nutzt sie neben weiteren Signalen zur Relevanzbewertung, nicht als hartes Targeting. Es gibt keine Garantie, dass eine Anzeige in einem bestimmten Gespräch erscheint oder eine bestimmte Berufsgruppe erreicht.
Wie verbreitet ist KI in deutschen Unternehmen – und wie viele nutzen ChatGPT?+
Laut einer Bitkom-Erhebung vom September 2026 setzen 57 Prozent der deutschen Unternehmen ab 20 Beschäftigten KI ein. Unter den KI-Nutzern nennen 66 Prozent Datenschutzanforderungen und 56 Prozent rechtliche Unsicherheiten als Hemmnis. Wie viele davon tatsächlich die werbefinanzierte ChatGPT-Version nutzen, ist nicht belastbar belegt.
Warum bringen viele Klicks nicht automatisch Conversions?+
Weil Interesse und Kaufabsicht zwei verschiedene Dinge sind. Neugierige Klicks auf eine Speaker-Plattform entstehen schnell, ein verbindlicher Speaker-Bedarf oder eine Buchung entsteht dadurch nicht. Deshalb sollte man immer das Geschäftsergebnis messen, nicht die Klickzahl.
Was ist der Unterschied zwischen ChatGPT-Werbung und organischer KI-Sichtbarkeit?+
Bezahlte Werbung erscheint unter einer Antwort, hat aber keinen Einfluss auf die Antwort selbst. Organische KI-Sichtbarkeit entsteht dagegen, wenn Inhalte so klar, relevant und gut erreichbar aufbereitet sind, dass KI-Systeme sie als Quelle heranziehen und nennen. Für Beratung, Vorträge und andere erklärungsbedürftige Angebote ist das der nachhaltigere Weg.
Lohnt sich OpenAI Ads für B2B-Dienstleister?+
Für spezialisierte, erklärungsbedürftige B2B-Angebote mit hohem Auftragswert eher nicht, für viele B2C-Produkte mit privater Nutzungssituation dagegen deutlich eher. Entscheidend ist die Frage: Wie viele meiner Zielgruppe können meine Anzeige überhaupt sehen? Wer die nicht überzeugend beantworten kann, investiert sein Budget besser in Google Search, LinkedIn, Direktakquise oder Inhalte, die von KI-Systemen genannt werden.







