Magazin/Leben und so
·3 Min. Lesezeit

Legostalgie: Wenn das letzte Legoset aus dem Kinderzimmer verschwindet

Über das widersprüchlich-bittersüße Gefühl, wenn die Staubfänger endgültig gehen — und mit ihnen ein Stück Kindheit, das man gestern noch aufgebaut hat.

Cinematisches Schwarz-Weiß-Editorial-Stillleben auf dunklem Holz: kleine schwarze Baustein-Modelle mit sanftem Staub, davor zwei warm-goldene Legosteine, die als einzige Farbe im monochromen Bild leuchten — Metapher für Kindheit, Loslassen und Legostalgie.

Das widersprüchliche, nostalgisch-bittersüße Gefühl, das man hat, wenn man die letzten Legosets aus dem Kinderzimmer räumt: Legostalgie.

Es beschreibt die Erleichterung, die Staubfänger endlich los zu werden – und gleichzeitig zieht’s im Herzen, weil das Kind sich anschickt und wagt, einfach kein Kind mehr zu sein, und er war doch gestern erst noch 11 Monate alt und wo ist nur die Zeit geblieben und bin auch ich jetzt eigentlich 10 Jahre älter und das hat ja schon auch Spaß gemacht, das Aufbauen, und wie gut er das konnte und ach, Mensch, seufz.

Irgendwann, da kommt der Tag, da verschwindet auch der letzte Lego-Staubfänger aus dem Kinderzimmer, wandert vorerst mehrere Jahre in die Keller-Zwischenlagerstation, bis man es endlich übers Herz bringt, sie endgültig und finalmente zu entsorgen.

Ich kann die Lego-Sets, die mein Sohn in den letzten annähernd 13 Jahren aufgebaut hat, gar nicht zählen. Da war alles dabei. Dinos, Fahrzeuge jeglicher Art, Micky Maus, Star Wars, Baby Yoda, Spiderman, Ghostbusters, das vielgeliebte Lego-Ninjago, Super Mario, James Bond Autos, Baum- und Lebkuchenhäuser und und und.

Immer mal wieder wurden alternative Nicht-Lego-Anbieter getestet, Mini-Lego aus Japan, niedliche Japan-Markt-Buden und so, aber nichts ist so gut, baut sich so gut und hält sich so gut wie das skandinavische Original.

All die Jahre stand ich aber immer vor einem Problem: Wohin bloß mit all den fertigen Sets? Vor allem diese fiesen kleinteiligen Sets mit vielen Einzelparts, die auch nach dem Aufbauen immer rumfliegen, fand die ordnungsliebende Mutter besonders nervig. Mein Sohn hat auch nie damit gespielt, einzig das Aufbauen war interessant. Und dann, dann hatten wir den Lego-Salat. Und wussten nicht wohin damit. Man baut das ja auch alles nicht wieder auseinander, steckt es zurück in die Packung und verkauft es auf Flohmärkten. Da hätte ich mir in der Tat von Lego somehow mal ein paar Ideen gewünscht und Antworten. Wie und wohin mit dem aufgebauten Stuff in einer Durchschnittswohnung mit mäßig Platz? Wie stauben die Sets nicht ein? Hat irgendwie keiner mitgedacht.

Aber ist jetzt auch egal. Wir sind nun durch damit.

Weiterlesen: über all die anderen kleinen und großen Dinge, die man erst später versteht, in Was ich gern mit Mitte 20 gewusst hätte, über Zeit als eigentliche Ressource in Zeit ist die neue Demokratie-Frage – und über den leisen Zauber der Selbstbegegnung in Die Magie des Alleinseins.

Autorin: Henriette Hochstein-Frädrich

WEITERLESEN

ZUM MAGAZIN →
Cinematisches Schwarz-Weiß-Editorial-Stillleben von oben: zwei Porzellantassen auf Holztisch — eine leer, eine mit dunklem Tee gefüllt. Warmes goldenes Licht fällt in die leere Tasse und ist die einzige Farbe im monochromen Bild — Metapher für Enden und Anfänge.

Anfänge brauchen Enden

Enden haben einen schlechten Ruf — und sind doch die Voraussetzung für jeden Neuanfang. Über bewusstes Beenden, die volle und die leere Teetasse, Silvester als Ritual, Pinks 18. Hochzeitstag, Hermann Hesses „Stufen“ und die Frage, warum uns Infinity-Scrolling so kirre macht.

Weiterlesen →

Cinematisches Schwarz-Weiß-Editorial-Stillleben auf dunklem Holz: eine warm-goldene, ornamentierte barocke Palazzo-Fassade steht neben einem grauen, bröckelnden brutalistischen Betonklotz — der Palazzo leuchtet warm-golden als einzige Farbe im monochromen Bild, Metapher für Schönheit versus Hässlichkeit in der Stadtgestaltung.

Schönheit ist existenziell: Menschen brauchen Harmonie, Ästhetik und Ruhe

Gibt es einen Zusammenhang, dass unsere Welt immer „blöder" wird, die Menschen immer gestresster und unsolidarischer, weil unsere Lebensräume einfach nicht mehr „schön" sind, sondern heruntergekommen, dreckig, zu laut? Brauchen wir Harmonie, Ästhetik und Ruhe, um wirklich gut miteinander auszukommen?

Weiterlesen →

Schwarz-Weiß-Editorial-Artwork in hohem Kontrast: schwebende Künstlerpinsel hinterlassen dynamische Lichtbogen als einzigen warm-goldenen Akzent im monochromen Bild — eine verspielte Metapher für kreatives Leben, Mut und Big Magic.

An evening with Elizabeth Gilbert – Big Magic: Creative Living Beyond Fear

Keine Deko, keine Leinwand, keine Show — nur Elizabeth Gilbert, nackte Bühne, 60 Minuten on Point. Eine kleine Liebeserklärung an eine Speaking-Masterclass und ihre großen Fragen: Was priorisierst du wirklich? Wo ziehst du deinen sacred circle? Und warum die Welt keine weitere gestresste, sondern eine entspannte Frau braucht.

Weiterlesen →

Modernes surreales Editorial-Artwork: ein menschlicher Kopf im Profil, geöffnet wie ein minimalistisches Archiv mit geometrischen Fächern, in denen leuchtende Erinnerungsfragmente schweben — warmes goldenes Licht als einzige Farbe im reduzierten Charcoal- und Off-White-Raum, Metapher für das Gehirn als lebendige Bibliothek.

Der Bibliothekar in meinem Kopf: Wer oder was entscheidet, woran wir uns erinnern?

Aus heiterem Himmel poppen sie auf: ein Take-That-Nachmittag 1993, Karamellbonbon-Duft der Klavierlehrerin, Wasserbomben vom Balkon. Über den magischen Moment des Erinnerns, was ihn auslöst — und warum Erinnerungen die Bausteine unserer Identität sind, nicht bloß Nostalgie-Kitzel.

Weiterlesen →