Magazin/Wandel
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Die Sache mit der Komfortzone: Bleib ruhig drin …!

Warum wir Komfortzonen nicht verlassen müssen, sondern erweitern dürfen — und was Angst, Overthinking und Arroganz mit Stillstand zu tun haben.

Cinematisches Schwarz-Weiß-Editorial-Stillleben: ein großer transluzenter Seifenblasen-Schutzraum auf dunklem Holz, in dem ein kleiner warm-goldener Vogel auf einem feinen Ast sitzt — der Vogel als einzige Farbe im monochromen Bild, Metapher für die schützende, erweiterbare Komfortzone.

Die berühmt-berüchtigte Komfortzone. Wir kennen sie alle. Da ist alles drin, was wir kennen, gut können und was gemütlich, bequem und so wenig anstrengend wie möglich ist. Wir können uns darin wunderbar verschanzen. Und keine Frage: In einer Komfortzone lässt sich ein schönes, leichtes, routiniertes, halbwegs sicheres Leben führen. Denn in unserer Komfortzone passiert vor allem eins: Nichts.

Aber wollen wir wirklich, dass uns nichts in unserem Leben passiert? Herausforderungen, Wachstum, Weiterentwicklung, Veränderung — all das findet, logo, außerhalb unserer Komfortzone statt. Da draußen, in der weiten, großen, gefährlichen, unsicheren Welt.

Nun heißt es ja immer, wir müssen unsere Komfortzone verlassen. Aber allein dieser Gedanke macht uns so viel Angst, dass wir gelähmt sind. Und wer gelähmt ist, kann sich nicht bewegen. Schon gar nicht raus aus seiner Kuschelzone.

Komfortzone: Rein statt raus!

Wie wäre es also, wenn wir die Sache anders angehen? Vielleicht brauchen wir unsere Komfortzonen gar nicht wirklich zu verlassen. Denn mal ganz ehrlich: Komfortzonen sind gar nicht so schlecht wie ihr Ruf. Wenn wir uns permanent einreden, wir müssten da raus, erzeugt das Angst und Druck. Und Angst und Druck haben bekanntlich noch nie irgendjemandem bei gutem, positivem Wachstum, bei Veränderung und Weiterentwicklung geholfen.

Komfortzonen sind gut. Denn sie schützen uns. Wir alle haben ein absolutes Recht auf diesen persönlichen Schutz- und Rückzugsraum, in dem wir uns pudelwohl, geborgen, sicher, angstfrei und beschützt fühlen. Sicherheit gibt uns Kraft. Und vielleicht müssen wir uns auch nicht ständig an jeder Herausforderung abarbeiten, in jeden Kampf ziehen, nur um uns und der Welt zu beweisen, was für gewiefte Komfortzonen-Bezwinger:innen und Macher:innen wir sind.

Aber wenn es Themen in unserem Leben gibt, denen wir uns stellen wollen — wenn wir spüren, hm, diese Kuschelzone engt mich doch ganz schön ein und ich habe Bock auf mehr, neu und anders — dann hilft es, wenn wir uns mit dem Verlassen-Müssen keinen Druck machen. Was, wenn wir unsere Komfortzone gar nicht verlassen müssten, sondern das Neue, das Andere, die Veränderung einfach IN unsere Komfortzone hineinholen? Stück für Stück.

„Statt zu ver-lassen (was immer auch etwas Tragisches hat) holen wir alles von draußen einfach rein."

Wir behalten unsere geliebte Komfortzone, die uns nach wie vor Schutz und Ruhe gibt — und erweitern sie. Wir stellen uns jeder Herausforderung, angebunden an das, was wir schon sind, gut kennen und wissen. Angebunden an unseren Schutz. Vielleicht macht uns dann das Neue gar nicht mehr so große Angst. Wenn wir nicht raus müssen zu ihm, sondern es zu uns einladen — in unser sicheres Haus.

Unsere Komfortzone kann nämlich wachsen. Unendlich weit und groß. Wir können alles reinholen, was wir wollen. Unsere Welt wird auf diese Art immer größer, voller, bunter. Und wir gewöhnen uns daran, das Neue und jede Veränderung einzuladen — statt blockierende Angst davor zu haben. Das wird dann eine wunderbare Komfortzonen-Wachstums-Routine.

The way out is in.

Was hindert uns eigentlich daran, entweder unsere Komfortzonen zu verlassen (für die Harten im Garten) oder etwas Neues reinzuholen (für die Vorsichtigeren)? Im Wesentlichen sind es drei Dinge.

1. Angst

Logo. Es ist die dämliche Angst. Die Angst vor allem und nichts. Meistens völlig konstruiert und unbegründet. Also: weg damit. Just do it.

2. Wir denken zu viel

„Popcorn poppt nur, wenn's heiß ist."

Overthinking macht alles kaputt. Wenn wir eine Idee haben oder eine Herausforderung angehen wollen, ist da eine bestimmte Energie in uns. Irgendwas kitzelt uns, da ist Excitement, Aufregung, Spannung. Ich nenne es die Magie einer neuen, guten Idee. Gute Ideen erkennt man unmissverständlich daran, dass sie uns nicht schlafen lassen. Wenn wir aufgekratzt sind, die Ideen nur so sprudeln — dann unbedingt dranbleiben und machen. So schnell wie möglich.

Denn wenn wir Ideen in der Schublade verschwinden lassen oder erst mal eine Arbeitsgruppe gründen und wochenlang darüber reden, verlieren sie ihre Magie und Energie. Sie kühlen ab. Vergammeln. Sterben ab. Und dann wird nichts mehr aus der Umsetzung. Merke: Popcorn poppt nur, wenn's heiß ist. Also machen. Sofort.

3. Arroganz

„Arroganz ist eigentlich eine versteckte Angst vor dem Neuen und dem Anderen."

Arroganz ist, auf die eigene Dummheit stolz zu sein. Sie versteckt sich hinter der Überzeugung: „Also ich, ich muss ja nichts ändern. Bei mir läuft doch alles bestens. Bei uns im Unternehmen läuft alles super. Wir brauchen KI / Digitalisierung / bessere Führung / andere Kommunikation / innovative Produkte (bitte ein Thema nach Wahl) nicht." Und während die Welt sich weiterdreht, verschanzen wir uns immer tiefer in dieser Arroganz und in unseren Komfortzonen.

Ja, es ist schön, wenn alles läuft. Erfolge darf und soll man genießen. Man muss nicht permanent strampeln, immer höher, schneller, weiter. Aber wenn eins auf dieser Welt sicher ist, dann, dass nichts je so bleibt, wie es war. Alles verändert sich. Permanent. Das ist die Natur der Dinge.

Es ist also dumm, zu glauben, uns betreffe das nicht. Oder dass, wenn es mal richtig gut läuft, es ewig so weitergeht. Wird es nicht. Das hat nichts mit Pessimismus zu tun, es ist Realität. Heißt: Tür auf. Weit auf. Und regelmäßig mal den Rüssel in die Welt strecken. Welche Veränderungen sind für mich oder unser Unternehmen relevant — meist mehr, als wir wahrhaben wollen? Und wie können wir sie aktiv gestalten?

Warum Gruppen deine Komfortzonen-Erweiterung ausbremsen, steht in Warum wir uns manchmal wie Krabben im Korb verhalten. Und warum echter Fortschritt nicht Wachstum, sondern Veränderung ist, zeigt Steter Wandel statt unendliches Wachstum.

FAQ

Häufige Fragen zum Artikel

Muss ich meine Komfortzone wirklich verlassen?+

Nicht zwingend. Der Druck des „Verlassen-Müssens" erzeugt oft nur Angst und Lähmung. Wirkungsvoller: Komfortzone erweitern. Neues gezielt hineinholen, angebunden an das, was schon sicher und vertraut ist.

Ist die Komfortzone nicht per se schlecht?+

Nein. Sie schützt, gibt Kraft und Sicherheit. Problematisch wird sie erst, wenn sie zum Versteck vor jeder Veränderung wird und aus Sicherheit Stillstand oder Arroganz entsteht.

Was blockiert Veränderung am häufigsten?+

Drei Dinge: Angst (meist unbegründet), Overthinking (das die Energie neuer Ideen killt) und Arroganz („Ich muss nichts ändern"). Alle drei sind im Kern verschiedene Formen von Angst.

Wie fange ich an, meine Komfortzone zu erweitern?+

Klein. Konkret. Sofort. Eine neue Sache pro Woche in die bestehende Routine einladen — nicht die Routine zerschlagen. Und Ideen, die dich nachts nicht schlafen lassen, sofort angehen, bevor sie abkühlen.

Autorin: Henriette Hochstein-Frädrich

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