Magazin/Künstliche Intelligenz
·10 Min. Lesezeit

KI, nein Danke! – Wenn die Zukunft anklopft und keiner aufmacht

Ein Feldbericht aus einem KI-Workshop mit Medizinischen Fachangestellten — und warum ausgerechnet die, die am meisten von Entlastung profitieren könnten, oft am stärksten auf der Bremse stehen.

Cinematisches Schwarz-Weiß-Editorial-Stillleben eines Arzt-Schreibtisches: ein Stethoskop liegt auf einem geschlossenen Laptop, daneben ein Stapel Patientenakten. Eine kleine warm-goldene LED am Laptop glimmt — die einzige Farbe im monochromen Bild, Metapher für KI-Einzug in die Praxis.

Künstliche Intelligenz verspricht Entlastung, mehr Zeit und weniger Stress – gerade in Berufen, die von Kommunikation, Organisation und permanenten Unterbrechungen geprägt sind. Und doch reagieren viele Menschen auf genau diese Möglichkeiten mit Skepsis, Ablehnung oder offenem Desinteresse. Warum ist das so? Anhand einer persönlichen Erfahrung aus einem KI-Workshop durfte ich einmal mehr lernen, dass die größte Herausforderung der Zukunft womöglich nicht die Technologie selbst ist, sondern unsere Bereitschaft, Neues zuzulassen. Über Veränderungsresistenz, Neugier und die Frage, warum ausgerechnet diejenigen, die am meisten profitieren könnten, oft am stärksten auf der Bremse stehen.

Es war einer dieser Momente, die man als Speakerin nicht so schnell vergisst. Ich hatte einen Workshop vorbereitet, auf den ich mich wirklich gefreut hatte. Ein Thema, das mich begeistert. Ein Thema, von dem ich zutiefst überzeugt bin, dass es in den kommenden Jahren über Wettbewerbsfähigkeit, Arbeitsqualität und vielleicht sogar über berufliches Überleben entscheiden wird: Künstliche Intelligenz.

Nicht als abstraktes Silicon-Valley-Spielzeug für Tech-Nerds in Kapuzenpullis. Sondern als ganz konkretes Werkzeug zur Entlastung von Menschen, die jeden Tag am Limit arbeiten. In diesem Fall: Medizinische Fachangestellte. Also Menschen, die Telefone jonglieren, Termine koordinieren, Patienten beruhigen, Dokumentationen schreiben, Rückfragen beantworten, Arztbriefe entziffern, Rezeptwünsche bearbeiten und nebenbei noch den emotionalen Puffer für eine ganze Praxis darstellen. Menschen, deren Arbeitsalltag zu einem erheblichen Teil aus genau den Tätigkeiten besteht, bei denen KI heute bereits erstaunlich gut unterstützen kann.

Kurz gesagt: Wenn es eine Berufsgruppe gibt, die von intelligenter Automatisierung profitieren könnte, dann diese. Ich dachte also: Perfekte Zielgruppe. Was ich bekam, war etwas anderes.

Der Sound des kollektiven Augenrollens

Schon in den ersten Minuten spürte ich, dass etwas nicht stimmte. Diese ganz besondere Atmosphäre, die entsteht, wenn Menschen körperlich anwesend, geistig aber längst woanders sind.

Man spricht. Man erklärt. Man zeigt faszinierende Beispiele. Man malt Bilder einer Zukunft, in der das Telefon nicht mehr pausenlos klingelt, E-Mails automatisch vorbereitet werden, Dokumentation schneller erledigt ist und mehr Zeit für echte Menschlichkeit bleibt. Genau diese Vision hatte ich im Workshop entwickelt: KI als „neue Kollegin", die nie krank ist, nie schlechte Laune hat und repetitive Aufgaben übernimmt. Und ja, es gibt erstaunlich spannende Tools, die mittlerweile in diesem Bereich angeboten und eingesetzt werden können. Die Toolwelt wächst jeden Tag, ich habe recherchiert, mich durch Studien gewälzt und verstanden: Die Menschen, die in Praxen arbeiten, brauchen dringend Entlastung. Und genau dafür sind KI-Tools ein großartiges Unterstützer-Tool.

Und dann schaute ich in Gesichter, die ungefähr sagen:

„Aha."

„Brauchen wir nicht."

„Ist doch albern."

„Nächste Folie bitte."

Es wurde nicht offen rebelliert. Niemand war unhöflich. Aber die Energie im Raum war eindeutig. Eine Mischung aus Skepsis, innerem Rückzug und jener Form von stiller Überheblichkeit, die man manchmal bei Menschen erlebt, die etwas nicht verstehen und deshalb beschließen, dass es vermutlich bedeutungslos sein muss.

Ich zeigte Möglichkeiten. Sie sahen Spielerei. Ich sprach über Entlastung. Sie hörten Bedrohung. Ich sprach über Zukunft. Sie dachten vermutlich an ihren nächsten Patienten oder an das bevorstehende Abendessen.

Ich habe einer Berufsgruppe, deren Alltag zu großen Teilen aus Kommunikation, Organisation, Dokumentation, Übersetzung und ständigen Unterbrechungen besteht, ein Werkzeug gezeigt, das genau bei diesen Aufgaben enorme Entlastung schaffen kann. Genau darauf war mein Workshop aufgebaut: KI als Unterstützung für Zeitfresser wie Telefon, E-Mail, Dokumentation und Übersetzung.

Das ist ungefähr so, als würde ich Menschen, die jeden Tag mit einem Handrasenmäher arbeiten, einen Aufsitzmäher zeigen. Und sie sagen: „Brauchen wir nicht." „Das ist albern." „Wollen wir nicht." „Mit dem Handmäher ging es doch bisher auch." Ja, das wirkt zunächst absurd. Psychologisch ist es jedoch sehr nachvollziehbar. Siehe auch Menschen sind keine Update-Maschinen: Motivation war gestern & warum Veränderung eine neue Sprache braucht.

Viele Menschen wollen Entlastung – aber keine Veränderung

Das eigentlich Tragikomische daran: Kaum jemand klagt so regelmäßig über Arbeitsüberlastung wie Menschen im Gesundheitswesen: Zu viel Bürokratie. Zu viele Unterbrechungen. Zu wenig Zeit. Zu wenig Personal. Zu viel Stress. Es gibt überall einen Mangel an Personal – und deshalb können Praxen nicht mehr überall ihre volle Dienstleistung anbieten, obwohl Patienten diese dringend benötigen. Darüber gibt es zig Studien.

Und genau dafür existieren heute Werkzeuge, die einen Teil dieses Drucks mindern können. Und zwar sofort. KI kann E-Mails formulieren, Texte vereinfachen, Informationen übersetzen, Rückruflisten erstellen, Dokumentationen strukturieren, Telefonanfragen vorsortieren und Standardantworten vorbereiten, Anamnesen dokumentieren, Patientenakten automatisch ausfüllen, Anamnese in allen Sprachen führen. Und und und. Ich war selbst total fasziniert, was es da mittlerweile alles auf dem Markt gibt. Genau diese Anwendungsszenarien hatte ich im Workshop detailliert aufgezeigt.

Mit anderen Worten: Die Technologie, auf die viele seit Jahren unbewusst gewartet haben, steht bereits vor der Tür. Und ein beträchtlicher Teil der Menschheit reagiert darauf wie ein Teenager, der gebeten wird, sein Zimmer aufzuräumen.

Das ist eine der großen Paradoxien unserer Zeit. Menschen klagen über Stress, Überlastung und Zeitmangel. Aber sobald eine Technologie auftaucht, die einen Teil dieser Last reduzieren könnte, wird sie skeptisch betrachtet. Warum? Weil das eigentliche Problem oft nicht die Arbeitsbelastung ist.

Das eigentliche Problem ist die emotionale Zumutung des Umlernens. Denn Veränderung bedeutet eben immer auch:

  • Ich muss etwas Neues verstehen.
  • Ich muss zugeben, dass mein bisheriger Weg nicht alternativlos ist.
  • Ich verliere kurzfristig Sicherheit.
  • Ich muss mich mit etwas beschäftigen, das ich noch nicht beherrsche.

Für viele Menschen fühlt sich das bedrohlicher an als die bekannte Überforderung. Daher entscheiden sich erstaunlich viele Menschen lieber dafür, im vertrauten Chaos zu bleiben als sich auf unbekanntes Terrain zu wagen. Siehe auch Warum wir uns manchmal wie Krabben im Korb verhalten – und wie wir trotzdem ausbrechen können.

Der KI-Gap ist real

Es entsteht gerade eine neue gesellschaftliche Trennlinie. Nicht zwischen Jung und Alt. Nicht zwischen Akademikern und Nicht-Akademikern. Sondern zwischen Menschen, die neugierig experimentieren, und Menschen, die sich innerlich verschließen. Diese Kluft wird in den kommenden Jahren enorme Auswirkungen haben. Denn wer früh lernt, mit KI umzugehen, gewinnt:

  • Zeit
  • Produktivität
  • Souveränität
  • Wettbewerbsfähigkeit
  • berufliche Sicherheit

Wer das Thema konsequent ignoriert, riskiert, dass andere effizienter, schneller und anpassungsfähiger werden.

Wir sprechen viel über den Gender Pay Gap, den Fachkräftemangel und die Digitalisierungslücke. Was wir noch viel zu wenig diskutieren, ist der KI-Gap. Die wachsende Kluft zwischen Menschen, die neugierig ausprobieren, lernen und sich schrittweise neue Werkzeuge erschließen – und jenen, die das Thema reflexartig abwehren.

Diese Lücke verläuft nicht primär zwischen Jung und Alt. Nicht zwischen Akademikern und Nicht-Akademikern. Auch nicht zwischen Stadt und Land. Sie verläuft zwischen zwei mentalen Grundhaltungen.

Der einen, die sagt: „Ich verstehe das noch nicht. Aber ich will wissen, was dahintersteckt."

Und der anderen, die sagt: „Ich verstehe das nicht. Also will ich damit nichts zu tun haben."

Der Unterschied scheint klein. Aber er ist in Wahrheit gigantisch.

Die eigentliche Frage ist nicht technologisch

Viele Menschen glauben, KI sei vor allem eine technische Herausforderung. Ich glaube, das stimmt nur oberflächlich. Denn die eigentliche Herausforderung ist psychologisch. Denn jede neue Technologie konfrontiert uns immer mit einer unbequemen Wahrheit:

Dass die Welt sich weiterdreht – auch ohne unsere Zustimmung.

Dass Gewissheiten veralten.

Dass Routinen plötzlich nicht mehr alternativlos sind.

Dass wir möglicherweise umlernen müssen.

Und genau das löst Widerstand aus. Nicht, weil Menschen dumm wären, sondern weil Veränderung unser Gehirn stresst. Unser Gehirn liebt Vorhersagbarkeit. Es liebt Routinen. Es liebt das Gefühl, die Dinge im Griff zu haben.

KI ist das komplette Gegenteil davon. Sie stellt Gewohntes infrage. Sie verschiebt Kompetenzgrenzen.

Sie macht sichtbar, dass wir sehr vieles künftig sehr anders erledigen können. Und sie zwingt uns damit zu einer unangenehmen Entscheidung: Wollen wir uns damit auseinandersetzen – oder hoffen wir einfach, dass das alles wieder vorbeigeht?

Spoiler: Es geht nicht vorbei

Die Geschichte der Menschheit ist voll von Menschen, die dachten, neue Technologien seien überschätzt. Da gibt es die berühmten Zitate, wie z.B. der Bedarf an PCs wäre maximal 5. („Ich glaube, dass es auf der Welt einen Bedarf von vielleicht fünf Computern geben wird" – Thomas J. Watson, bis 1956 Vorstandsvorsitzender der IBM Group). Und so war es auch mit dem Auto. Dem E-Auto. Dem Internet. Dem Smartphone. Und jetzt KI.

Natürlich ist nicht jeder Hype gerechtfertigt. Natürlich wird es Übertreibungen geben. Natürlich ist nicht jedes Tool sinnvoll. Aber die Vorstellung, man könne künstliche Intelligenz kollektiv ignorieren und damit aus der Welt schaffen, ist ungefähr so realistisch wie der Versuch, Ebbe und Flut per Betriebsrat abzuschaffen.

Die Zukunft fragt nicht, ob wir bereit sind. Sie kommt trotzdem.

Der einzige Unternehmer im Raum hat verstanden

Der vielleicht spannendste (und ja, auch tröstendste) Moment des Tages fand nicht während des Workshops statt, sondern danach. Der Unternehmensinhaber kam auf mich zu. Er war begeistert. Stellte kluge Fragen.

Dachte sofort weiter. Über Forschung. Über Entwicklung. Über Produktivität. Über die strategischen Möglichkeiten dieser Technologie. Siehe auch Von 500.000 Euro zu 5.000 Euro: Was KI für Gründer & Plattformen (und die Eventbranche) wirklich verändert.

Und plötzlich wurde mir wieder bewusst, wie unterschiedlich Menschen auf dieselbe Information reagieren.

Die einen sehen Bedrohung. Die anderen sehen Hebel.

Die einen hören „kompliziert". Die anderen hören „Wettbewerbsvorteil".

Die einen denken in zusätzlicher Arbeit. Die anderen in neuen Möglichkeiten.

Genau darin liegt oft der Unterschied zwischen Verwalten und Gestalten.

Der Unternehmensinhaber hat sofort verstanden, welches Potenzial in der Technologie steckt. Das ist kein Zufall. Unternehmerinnen und Unternehmer sind gezwungen, in Hebeln zu denken:

  • Wie können wir Prozesse verbessern?
  • Wie sparen wir Zeit?
  • Wie werden wir produktiver?
  • Wie bleiben wir wettbewerbsfähig?

Mitarbeitende denken verständlicherweise oft stärker aus der Perspektive ihres aktuellen Arbeitsalltags:

  • Was bedeutet das für mich?
  • Wird es komplizierter?
  • Muss ich mehr lernen?
  • Macht mich das ersetzbar?

Beide Perspektiven sind menschlich. Aber sie führen zu völlig unterschiedlichen Reaktionen.

Es geht nicht darum, dass alle Prompt Engineers werden

Niemand muss morgen fünf Tools installieren. Niemand muss zum KI-Nerd mutieren. Niemand muss sein gesamtes Berufsleben auf den Kopf stellen. Aber ein Mindestmaß an Neugier wäre hilfreich. Ein kleines inneres Türchen, das sich einen Spalt öffnet. Genau mit diesem Bild endete mein Workshop: nicht mit Druck, sondern mit der Einladung, einfach ein bisschen neugieriger hinauszugehen, als man hineingekommen ist. Denn wer heute bereit ist, Fragen zu stellen, wird morgen deutlich souveräner mit Veränderungen umgehen. Und wer sich konsequent weigert hinzusehen, läuft Gefahr, irgendwann von Entwicklungen überrascht zu werden, die längst sichtbar waren. Siehe auch Tech Literacy & Prompt Literacy: Warum wir lernen müssen, mit Maschinen zu denken – bevor sie für uns denken.

Die stille Tragik des Widerstands

Manchmal liegt das Problem nicht darin, dass eine Idee schlecht ist. Sondern darin, dass das Publikum noch nicht bereit ist. Das passiert häufig bei Innovationen. Menschen erkennen den Wert einer Entwicklung oft erst dann, wenn sie bereits unverzichtbar geworden ist. Dann folgt derselbe Satz, den man bei vielen technologischen Umbrüchen hört: „Wie haben wir das eigentlich früher ohne gemacht?"

Genau dieses Bild habe ich am Ende meines Workshops verwendet, als ich KI als „neue Kollegin" beschrieben habe, die man zunächst skeptisch betrachtet und später nicht mehr missen möchte.

Was mich an diesem Nachmittag am meisten beschäftigt hat, war nicht die fehlende Begeisterung. Menschen dürfen skeptisch sein. Menschen dürfen überfordert sein. Menschen dürfen auch sagen: „Das ist mir gerade zu viel."

Was mich nachdenklich macht, ist etwas anderes. Dass ausgerechnet diejenigen, die am meisten von Entlastung profitieren könnten, manchmal am stärksten gegen die Werkzeuge ankämpfen, die ihnen genau diese Entlastung ermöglichen. Dass wir uns so sehr an unsere Überforderung gewöhnen, dass wir Hilfe für eine Zumutung halten. Dass wir lieber im Bekannten leiden, als uns auf unbekannte Möglichkeiten einzulassen.

Gerade diese Reibung zeigt, wie hochgradig relevant das Thema ist. Auch in der Verlagsbranche gibt es übrigens ähnlichen Widerstand, siehe auch Verlage gegen die Zukunft: Warum KI-Verbot der Untergang ist.

Lernbereitschaft ist Überlebensstrategie

Nicht: „Wird KI unsere Jobs verändern?" Sondern: „Wie offen bleiben wir, wenn die Welt sich verändert?"

Denn technologische Umbrüche sortieren nicht nur Märkte neu. Sie sortieren auch Haltungen. Neugier wird zu einer Schlüsselkompetenz. Lernbereitschaft zu einer Überlebensstrategie. Und geistige Beweglichkeit zu einer Form von Resilienz.

Ja, der Workshop fühlte sich in dem Moment für mich wie ein Reinfall an. Und na klar habe ich auch reflektiert und seziert, was ich alles selbst vielleicht nicht optimal gestaltet habe.

Rückblickend war er aber vor allem eines: Eine faszinierende Feldstudie über menschliche Veränderungsresistenz. Über Angst. Über Gewohnheit. Über Status quo. Und über die erstaunliche Fähigkeit des Menschen, sich gegen genau das zu wehren, was ihm das Leben leichter machen könnte.

Aber er war auch eine Erinnerung daran, warum ich über diese Themen spreche. Weil Veränderung nie an Technologien scheitert. Sondern immer an unserer Bereitschaft, uns mit ihnen auseinanderzusetzen. Und weil die wichtigste Kompetenz der Zukunft nicht Programmieren ist. Sondern Neugier. Und das wiederum war schon immer so.

Was ich erlebt habe war weniger ein gescheiterter Workshop als ein Live-Experiment darüber, wie Menschen auf eine Technologie reagieren, die ihre Arbeit fundamental verändern wird. Und genau deshalb ist diese Erfahrung im Nachhinein doch so wertvoll. Sie zeigt in konzentrierter Form, wie schwierig Wandel ist – selbst dann, wenn er objektiv große Vorteile verspricht.

Oder anders gesagt: Die größte Herausforderung bei künstlicher Intelligenz ist nicht die Technologie. Die größte Herausforderung bleibt der Mensch.

Oder, um es noch einfacher zu sagen: Die Zukunft klopft bereits an. Die Frage ist nur, ob wir die Tür öffnen – oder so tun, als wäre niemand da.

FAQ

FAQ – KI, Veränderung & Widerstand im Berufsalltag

Warum wehren sich Menschen gegen KI, obwohl sie überlastet sind?+

Weil die eigentliche Zumutung nicht die Arbeitsbelastung ist, sondern das Umlernen. Neues zu verstehen bedeutet: kurzzeitig Sicherheit verlieren, zugeben, dass der bisherige Weg nicht alternativlos war, sich mit etwas beschäftigen, das man noch nicht beherrscht. Für viele Menschen fühlt sich das bedrohlicher an als die bekannte Überforderung.

Was ist der „KI-Gap"?+

Die wachsende Kluft zwischen Menschen, die KI neugierig ausprobieren, und jenen, die das Thema reflexartig abwehren. Sie verläuft nicht zwischen Jung und Alt, sondern zwischen zwei mentalen Grundhaltungen: „Ich verstehe das noch nicht, aber ich will wissen, was dahintersteckt" versus „Ich verstehe das nicht, also will ich damit nichts zu tun haben".

Wie führt man ein Team durch die KI-Transformation?+

Nicht mit Druck, sondern mit einer Einladung zur Neugier. Die Vision, dass sich niemand über Nacht in einen Prompt Engineer verwandeln muss, entlastet spürbar. Was Teams brauchen, ist ein kleines inneres Türchen, das sich einen Spalt öffnet — und Führungskräfte, die selbst mit gutem Beispiel vorangehen, statt Widerstände zu verwalten. Siehe auch die Keynote Führung, Team & Kommunikation.

Ist KI im Gesundheitswesen und in Praxen wirklich sinnvoll?+

Ja — gerade dort. Medizinische Fachangestellte jonglieren jeden Tag Telefon, Termine, Dokumentation, Rückfragen, Rezepte, Übersetzung. Genau bei diesen Aufgaben unterstützt KI heute schon erstaunlich gut: E-Mails formulieren, Anfragen vorsortieren, Anamnesen mehrsprachig führen, Dokumentation strukturieren, Standardantworten vorbereiten. Entlastung, die direkt beim Menschen ankommt.

Was hat Widerstand gegen KI mit Veränderungsresistenz zu tun?+

Sehr viel. Unser Gehirn liebt Vorhersagbarkeit und Routinen. Jede neue Technologie konfrontiert uns mit einer unbequemen Wahrheit: dass sich die Welt weiterdreht, auch ohne unsere Zustimmung. Widerstand ist also keine Charakterschwäche, sondern eine sehr menschliche Reaktion — und lässt sich am besten psychologisch begleiten, nicht technologisch überrollen.

Autorin: Henriette Hochstein-Frädrich

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