"Kann ich?" oder "Darf ich?"

In der Süddeutschen Zeitung entdeckt, toller Artikel, lang, aber absolut lesenswert und fette Lese-Empfehlung. 

Ich wär' so gern eine andere!
Einmal im Jahr nimmt sich unsere Autorin zwei Wochen Auszeit und macht alles, was sie sich sonst im Alltag nicht erlaubt. Dabei fragt sie sich: Kann man als Erwachsener noch mal ein völlig anderer Mensch werden? Eine Nachforschung. ARTIKEL LESEN

Darin u.a. folgender Satz: 

"Jede Gemeinschaft kann nur existieren, wenn das Verhalten ihrer Mitglieder einigermaßen verlässlich und vorhersehbar ist."

Und ich denke mir, bähm! Was eine Erkenntnis! Genau deshalb trauen wir uns so wenig! Und denken viel zu oft: Das macht man doch nicht! Was uns wiederum davon abhält, einfach mal was zu machen, uns zu trauen, was auch immer.

Die Frage, die ich also darin vor allem sehe, ist nicht das "Kann ich?" - sondern eigentlich vielmehr das "Darf ich?" 

Ja, wir dürfen! Und wie. Break on through to the other side! Ohne wenn und aber. 

Aus der Gemeinschaft (ich nenne es auch gern "Schafherde" ...) auszubrechen, sein Ding zu machen, ist, nebenbei bemerkt, auch ein vom Zukunftsforscher Matthias Horx prognostizierter Megatrend: Megatrend Individualisierung. Hier sieht der Forscher und sein Team vom Zukunftsinstitut folgende Tendenz: 

"Ausbildung, Arbeit, Heirat, Kinder, Tod? Die neuen Biografien kennen nicht nur eine Richtung, sondern sie verlaufen entlang neuer Brüche, Umwege und Neuanfänge. Sie sind zu „Multigrafien“ geworden. Und in einer Gesellschaft, die uns immer mehr individuelle Freiheiten gibt, uns aber auch immer stärker unter Entscheidungsdruck setzt, verändern sich Werte – und mit ihnen die Wirtschaft, in der sich DIY-Kultur und Nischenmärkte etablieren." 

Das bedeutet: Die Frage der Autorin aus dem SZ-Artikel, siehe oben, ist somit eigentlich hinfällig. "Kann ich mich neu erfinden?" bekommt aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklung eine ganz klare Antwort: "Ich MUSS mich neu erfinden. Immer. Und ständig."