Warum ich nicht mehr frühstücke

Seit ca. 1,5 Jahren frühstücke ich, bis auf wenige Ausnahmen (zB lecker Breakfast in Londoner In-Cafés), im Alltag nicht mehr. 

Ich kann die Aufschreie schon hören: Das macht man doch nicht! (Doch!) Aber das Frühstück ist doch die wichtigste Mahlzeit des Tages! (Nee. Isses nicht.) Doch bevor ich das weiter erläutere, möchte ich zunächst unbedingt betonen, dass ich hier nur von meinen eigenen ganz persönlichen Erfahrungen berichte. Ich sage nicht, dass es richtig ist und für jeden das Richtige sein muss. Und ich sage auch nicht, dass es falsch ist, zu frühstücken. Jeder soll das so handhaben, wie es ihm passt und schmeckt. 

Bildquelle: bild.de

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Dennoch will ich an einem der größten Ernährungsdogmen etwas rütteln. Weil ich damit sehr gute Erfahrungen in Sachen Stoffwechsel-Push (der ist nämlich, je älter man wird, ein Arsch!), ´n paar Kilos loswerden und auch ganz pragmatisches Zeitmanagement gemacht habe. Ganz ohne Verzicht-Gefühl, und trotzdem mit Energie, Wachheit und Elan. 

Zum Nicht-Frühstücken kam ich, als ich vor ca. 2 Jahren ein paar Muttispeck-Kilos loswerden wollte, und für mich das "intermittierende Fasten" entdeckt habe, was für mich prima funktionierte. Vereinfacht gesagt, streckt man beim intermittierenden Fasten den Zeitraum, in dem man nichts isst,  so lange wie möglich. Das pusht den Stoffwechsel enorm. Es gibt verschiedene Formen davon, das 16/8-Prinzip, wo man 16 Stunden lang eine Essenspause einlegt, und innerhalb von 8 Stunden relativ normal isst, oder an einem Tag normal isst, am nächsten Tag fastet, und das immer abwechselnd. 

Ich hatte für mich persönlich das 2:5-Fasten entdeckt und ausprobiert - und das hat prima geklappt. Meine Neugier darauf weckte die tolle Spiegel-TV-BBC-Doku "Fasten macht glücklich" . Wenn man sich die anschaut, hat man keine Angst mehr davor und auch das Hunger-Gefühl, welches natürlich an so einem Fasten-Tag auftaucht, kann man so viel besser handeln, wenn man versteht und weiß, dass das (kurzfristig) nicht schlimm ist. In der Doku hat ein britischer Autor und Arzt das Fasten untersucht - und kam zu dem Schluss, dass, wenn man regelmäßig kurzzeitig fastet, es einen enormen Einfluss auf die Gesundheit hat, also positiv.

Klar nimmt man natürlich auch ab, aber das ist es gar nicht, worum es in erster Linie geht. Denn vor allem gehen auch sämtliche Werte wie Cholesterin, Blutzucker, Körperfettanteil etc rapide und in kürzester Zeit nach unten. Was auch rapide nach unten geht, ist irgendsoein IGF-Hormon-Wert, der für viele Krebssorten verantwortlich ist. Und das ganze beugt zudem auch massiv Hirnkrankheiten wie Alzheimer, Demenz etc vor, weil, oh Wunder, wenn man kurzzeitig (!) hungert, bildet das Hirn nämlich neue Hirnzellen. Klingt irgendwie verrückt. Man bleibt also länger fit, wenn man ab und an mal die Futterluke zu lässt. Es wurde alles ganz wissenschaftlich untersucht und belegt, was beim Kurz-Fasten im Körper passiert - und ich fand das alles ziemlich einleuchtend. Einer der Professoren meinte sogar, es gäbe keine Medizin auf der Welt, die diese unglaublichen Effekte, die das Kurz-Fasten mit sich bringt, je erreichen würde. Und: Es soll auch den gesamten Alterungsprozess aufhalten. Als Mittdreißigerin durchaus ein Aspekt, der plötzlich drastisch an Relevanz (Panik! Hülfe! Ich werd´alt!) zunimmt. 

All diese Effekte erreicht das Fasten - und dabei ist es egal, welche Fastenform man wählt, ob man einmal im Monat 3-4 Tage fastet, oder auf intermittierendes Fasten setzt, mit einen Tag essen und einen Tag fasten abwechselnd oder die 5:2-Diät macht, wo man 5 Tage in der Woche normal isst und an 2 Tagen fastet - wobei man an den Fastentagen sogar bis zu 500kcal (Männer 600kcal) zu sich nehmen darf.

Mehr Infos u.a. auch HIER // Das Buch dazu gibt´s HIER

Jedenfalls kam ich damit prima klar. (Muss jeder für sich selbst ausprobieren!) Und ulkigerweise ist das auch irgendwie sogar erleichternd, wenn man mal einen Tag nicht essen "muss", man hat plötzlich so viel mehr Zeit. Und ja, klar, knurrt der Magen mal zwischendurch, aber das tut er ja komischerweise auch, wenn man "normal" isst. 

Jedenfalls habe ich mich dann so an die regelmäßigen langen Essens-Pausen gewöhnt, dass ich irgendwann merkte, dass ich gar kein Frühstück mehr brauche und auch keins will. Natürlich trinke ich morgens meinen Kaffee oder Tee, mit etwas Milch und viel Wasser, aber das war´s. 

Das ist zunächst ungewohnt, weil einem ja seit Kindertagen eingebläut wird, dass das Frühstück die wichtigste Mahlzeit des Tages sei, und wer nicht frühstückt, oh weh, das endet ganz, ganz böse!

Aber: Man gewöhnt sich da erstaunlich schnell dran. Außerdem ist es für mich als Working-Mum auch total angenehm und hilfreich, ich habe morgens so viel zu tun (Kind fertig machen, Brotdose füllen etc ..) und so viele Sachen im Kopf, was ich den Tag alles machen will - da habe ich gar keine Zeit, keine Lust und keine Muße zum gemütlich Frühstücken.

Nicht zu frühstücken nimmt mir nichts,
im Gegenteil, es schenkt mir was.

Außerdem ist mir aufgefallen, dass ich, wenn ich früher gefrühstückt habe, meistens auch sehr gesund (Haferbrei, Müsli oder Chia-Bowl etc), dann 2 Stunden später gegen 11 Uhr trotzdem einen Bären-Hunger hatte und mein Magen extrem knurrte. Also ist es vom Hunger-Gefühl her echt Wurscht, ob nun mit oder ohne Frühstück. Und ja, gegen 11 knurrt der Magen, aber meistens geht das Gefühl schnell weg.

Und dann gibt´s Mittags eben das erste Essen des Tages. Den Rest des Tages esse ich normal, ausgewogen, gesund (viel Obst, Gemüse, Protein, Slow-Carbs). Und ja, auch mit Schoki, Kuchen und Konsorten. Und Spaghetti, Rotwein und so natürlich auch ab und zu. 

Nicht zu frühstücken nimmt mir nichts, im Gegenteil, es schenkt mir was. Es passt in meinen Tages-Ablauf super rein und erleichtert zudem ganz viel. Ich fühle mich morgens damit sogar viel freier. Und ich kann vormittags trotzdem ganz normal arbeiten, mich konzentrieren, habe nicht das Gefühl, schlapp zu sein oder dass mir irgendwie Energie fehlt. Selbst dann nicht, wenn ich morgens Sport (Joggen oder Krafttraining) gemacht habe. 


Mehr Infos & "Legitimation, das Frühstück ausfallen zu lassen" auch hier: (Und ja, natürlich findet man für die "Gegenargumente" genauso viele Links - wie gesagt, jeder so, wie er will.) 



DAS-MACHT-MAN-DOCH-NICHT & RULE-BREAKER-FAKTOR: HOCH

  • Einer Ernährungs-Doktrin wird der Stinkefinger gezeigt
  • Frühstück ist auch eine Industrie, hinter der eine riesige Werbe- und Marketing-Maschinerie steckt (Marmeladen, Brotaufstriche, Bäcker, Brot, "Cerealien" etc ...) - die natürlich alle wollen, dass wir brav morgens unser Frühstück futtern - und damit den Frühstücks-Mythos aufrecht erhalten wollen. 
  • Auch in Sachen Ernährung einfach mal ausprobieren, was geht und was nicht >> Eigenverantwortung >> die fest zementierten Dinge & Ansichten ruhig mal hinterfragen >> eigene Regeln aufstellen