Adieu, du schöner Sommer. Und fuck you, you winter.

Winter ist doof.

 

Jetzt ist es soweit. September. Winter. Winter? Ja, Winter, verdammt. Ich möchte dem Winter und dem Herbst gepflegt den Mittelfinger zeigen. Ich leider unter Sommer-Abschieds-Melancholie und Winter-kommt-jetzt-unaufhaltsam-Frust. Kennen Sie das? Gehören Sie auch zu den Menschen, die sich am 1. September beim Blick auf den Kalender regelrecht erschrecken und plötzlich eine undefinierbare Traurigkeit verspüren, frustriert sind, weil mit dem letzten August-Tag der Sommer vorbei ist? Der Sommer, der mal wieder viel zu kurz war, mit viel zu wenig schönem Wetter, der mal wieder viel zu spät angefangen hat, und den wir am liebsten in Tüten und Dosen für schlechte Tage abfüllen und uns aufbewahren und krampfhaft festhalten wollen.

Sommer ist feinste Schokolade. Winter ist ´ne saure Gurke. 

Offiziell ist der halbe September ja noch Sommer, aber September ist für mich schon Winter. Herbst findet nicht statt, weil Herbst und Winter sich sowieso gleich anfühlen: Nass, grau, kalt. Und bei nass, grau und kalt gibt es keine Steigerungen nach oben oder unten - es ist einfach immer Scheiße. 

 

Ich leider unter Sommer-Abschieds-Melancholie und Winter-kommt-jetzt-unaufhaltsam-Frust.

 

Ich werde jedenfalls immer richtig melancholisch am 1. September. Und da können wegen mir noch so viele goldene Oktober-Tage kommen, aber dieses leichte und unbeschwerte Sommer-Gefühl in mir ist einfach weg. Ich räume in unserem Garten das Planschbecken weg und denke `Mensch, vor einer Woche saßt du hier noch bei 30 Grad drin. Bis ich das nächste mal hier drin sitze, vergehen 8 Monate.´ Ich gieße die Sommer-Blumen nicht mehr so regelmäßig, weil is´ ja eh für´n Arsch, in einem Monat sind sie eh vertrocknet und müssen der Winter-Garten-Edition folgen (Robuste Erika). Ich rasiere die Beine nicht mehr, weil wozu? Ich lackiere meine Fußnägel nicht mehr. Ich benutze keinen Selbsbräuner mehr. Im Sommer bin ich Golden-Girl, im Winter verkomme ich zur kalkweißen und stacheligen Vogelscheuche. 

Shorts und Röckchen und Kleidchen werden in die hinterste Ecke des Kleiderschranks verbannt. Und die Stapel mit den dicken Pullovern wandern nach vorne. Riemchensandalen und FlipFlops kommen in den Keller. Stattdessen nerven die Stiefel und Boots, die nicht in den Schuhschrank passen, und nun wieder im Flur rumfliegen. Und das für die nächsten 8 Monate. Verdammt noch mal, ich habe keinen Bock auf Boots und Stiefel. Ich versuche mich selbst zu überlisten und kaufe mir besonders teure und tolle Stiefel, um mir selbst Appetit auf den Winter zu machen. Will aber dennoch die sauteuren Luxus-Stiefel lieber gegen die 15-Euro-Plastik-FlipFlops eintauschen. 

Und ich habe sowas von keinen Bock auf Socken! Wie ich Socken hasse! (Noch schlimmer sind Strumpfhosen!) Ich könnte jeden Morgen, an dem ich jetzt Socken anziehen muss, heulen. Ich liebe es, von Mai bis August barfuss in meine Schuhe zu schlüpfen. Fühlt sich so gut an und sieht auch viel besser aus. Ich finde, Socken machen jedes Outfit zu Nichte. (Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass in Modezeitschriften und Katalogen bei der Präsentation der Wintermode die Models fast immer barfuss in ihren Pumps stecken? Dazu obenrum Wintermantel und das volle Winterprogramm eben. Weil es so viel besser aussieht. Aber im praktischen Leben, hallo, wer tappelt denn bitteschön bei 8 Grad Nieselwetter barfuss in Pumps durch den grauen Novemberalltag?!) Normale Socken passen nie wirklich zu einem Look, und Nylon-Strümpfe in hornhautumbra erwecken zwar den Anschein des nackten Fußes, gehen aber eigentlich gar nicht. So häßlich, so altbacken, und fühlt sich auch echt blöd an. Und dann sind die Dinger noch nicht mal warm. 

 

Hausschuhe sind ein Graus. 

 

Und Hausschuhe erst! Hausschuhe sind genauso ein Graus. Im Sommer trage ich zu Hause FlipFlops, barfuss natürlich. Und FlipFlops, so meine Meinung, sehen einfach immer gut und cool und stylish aus. Und fühlt sich auch so an. Aber im Winter geht das natürlich nicht. Man will ja keine kalten Füße haben. Also müssen Hausschuhe her. Und egal ob nun Crocs oder irgendwelche Pantoletten oder Filzboots - Hausschuhe sehen immer Kacke aus. Vor allem mit Socken drin. Man fühlt sich darin vor wie eine Kartoffel. Wenn der Postmann klingelt und ich mit meinen Haus-Puschen vor ihm stehe, komme ich mir immer vor wie so´n durch die Gegend schlappendes Mütterchen. 

Ja, das sind Probleme, ich weiß. Und ich weiß, ich steigere mich da unnötig herein. Aber ich finde, es sollten mal beheizbare FlipFlops erfunden werden. Ich würde die kaufen. 

Und so stelle ich mich langsam auf den langen Winter ein, aber widerborstig und trotzig wie mein 4-Jähriger. Ich weiß, ich muss, will aber nicht. Ich will keine Pullover anziehen und dann noch Unterhemdchen drunter und dicke Strickjacke noch drüber. Man fühlt sich gleich so schwerfällig. Ich habe keinen Bock auf elektrische Haare, ein Phänomen, mit dem ich zwischen Mai und August nie zu kämpfen habe. Ich habe keinen Bock auf triefende und rote Nase, auf vom kalten Wind tränende Augen, auf trotz Handschuhe kalte Finger, auf die blasse immer kränklich aussehende Visage. `Mannometer, jetzt reiß´ dich aber mal am Wollschlüpper und stell´ dich nicht so an,´ muss ich mich jeden Tag selbst ermahnen. 

Und so versuche ich, mich auf die schönen Seiten der dunklen Jahreszeit zu konzentrieren: Lebkuchen (Komisch, dass mir das als erstes einfällt, ich verfressendes Ding!), Kerzenschein, Kaminfeuer, kuschelig, heimelig, gemütlich, Filmabende auf der Couch, Kastanienmännchen basteln, Weihnachten, Weihnachtsmarkt, Schlittenfahren, Schneemann bauen. 

Tschüss, Sommer, es war, wie immer, schön mit dir. Ich werde dich vermissen. Wir sehen uns in 8 Monaten wieder. Und Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude. Und in der Zwischenzeit werde ich mich mit deinen Kumpels, Herbst und Winter, irgendwie arrangieren. Versprochen. 

Also. Okay, Winter. Okay, Herbst, meinetwegen, ich gebe euch ´ne Chance. Versuchen wir´s miteinander.