Heartbreak-Philosophie mit einem 4-Jährigen: Über Trennungsangst und Tod

Always together


Mein Kleiner, 4 dreiviertel Jahre alt, krabbelt gegen 6:30 Uhr zu mir ins Bett. Er ist schon wach, ich krieg die Augen kaum auf, bin noch total müde. 

Er nimmt meine Hand, schaut mich an und sagt: "Stimmt´s Mami, wir trennen uns nie?"
Mir schießen fast die Tränen in die Augen. Ich: "Nein, wir trennen uns nie."
Die Antwort genügt ihm. Er glaubt mir. Dann kuscheln wir erst mal ´ne Runde. 

Diese Frage stellt mein Kleiner seit ein paar Monaten immer wieder. Ganz plötzlich, einfach so, aus dem Nichts, kommt sie geschossen. Wenn ich ihn in den Kindergarten bringe. Wenn wir spielen. Während er in der Wanne sitzt und ich Wäsche zusammen lege. Und wenn ich ihm dann aber versichere, dass ich immer seine Mama bleiben werde, ist er zufrieden, strahlt, und spielt weiter. Keine weitere Fragen. Thema erledigt.

Wir liegen im Bett, kuscheln weiter, sind noch zu faul zum Aufstehen.
Nach einer Weile flüstert er : "Mami, weißt du, wovor ich Angst habe?"
Ich so: "Nein, sag´s mir, mein Schatz."
Er so: "Wenn ich mal tot bin." 

Mir schießen schon wieder fast die Tränen in die Augen. Puh. Wie soll man einem Kleinkind morgens um 6:30 Uhr die plötzlich aus dem Nichts kommende Angst vor dem Tod nehmen? Ich frage mich, woher die Frage kommt, denn es ist niemand gestorben bei uns, es ist kein Thema, worüber wir gesprochen haben. Also natürlich haben wir schon darüber gesprochen, aber eher so allgemein. Wir erzählen unserem Sohn auch keine Verharmlosungs-Märchen, sondern reden ganz offen darüber. Dass jeder irgendwann mal stirbt. In der Regel und hoffentlich nach einem langen und schönen Leben. Trotzdem berührt es mich, dass er über sowas nachdenkt. 

Ich versuche ihm zu erklären, dass das noch ganz lange dauert. Und wenn man ein schönes Leben hatte, dass es dann nicht schlimm ist, wenn man dann ganz alt ist und eben stirbt. 

Mein Sohn hört zu und sagt dann, völlig überzeugt: "Ja, die müssen ja auch Platz machen für die Babies. Sonst ist die Welt zu voll." Ich denke mir: Hey, er hat´s voll gecheckt. 

Er überlegt noch eine Weile weiter. Und sagt dann: "Die armen alten Menschen, die haben echt Pech, weil die viel eher sterben als wir Kinder!"

Ja, so kann man´s auch sehen, denke ich, und muss lächeln. Und er muss erst mal 1000 Küsse über sich ergehen lassen.