Nächtliche Grabenkämpfe, kleine Gespenster, flexible Sleeping

KInderImBett

Hilfe! Mein Kind nervt mich in der Nacht! Darf man das so laut aussprechen? Oder kriege ich dann eine Vorladung des Vereins der perfekten Mütter? 

Dass Eltern wenig schlafen, ist nichts Neues. Dabei ist es noch nicht mal unbedingt die reine Schlafmenge, die sich minimiert, sobald man sich Mama oder Papa nennen darf. An und für sich liege ich im Durchschnitt 7 Stunden im Bett, von 00:00 bis 7:00 Uhr morgens, und das ist ja eigentlich ganz ordentlich. 8 Stunden wären zwar mein persönliches Optimum, aber mit 7 Stunden Schlaf könnte ich auch ganz gut leben. Könnte. Denn die 7 Stunden im Bett schlafe ich nicht etwa, nein, in den 7 Stunden im Bett kämpfe ich. Ich verteidige meine 90 x 200 Zentimeter Schlaffläche gegen einen 92 Zentimeter und 2,5jährigen Hampel- und Strampel-Weltmeister, der mich mit seinem Gegrabsche und Getrete und Geschnuller und Geseufze und Geschnarche schier jede Nacht in den Wahnsinn treibt. Ich bin mittlerweile davon überzeugt, ich würde auch mit 4 Stunden hinkommen – wenn ich diese 4 Stunden einfach mal RICHTIG tief und fest und ungestört schlafen könnte. Dieses „Boah-hab-ich-gut-geschlafen-Gefühl“ kenne ich gar nicht mehr. Ich weiß schon gar nicht mehr, wie es sich anfühlt, in einen tiefen, schweren Schlaf zu fallen – und daraus erst am nächsten Morgen wieder aufzuwachen.

 

Dieses „Boah-hab-ich-gut-geschlafen-Gefühl“ kenne ich gar nicht mehr.

 

So, was macht nun also das Kind im elterlichen Doppelbett? Haben wir erzieherisch versagt? Nicht genug „Jedes Kind kann schlafen lernen“ gelesen? Nun, wir waren, seitdem Baby ca. 6 Monate alt war, mit einem in seinem eigenen Bett in seinem eigenen Zimmer durchschlafenden Kind, das abends beim Zubettbringen keinerlei Theater macht, gesegnet. Grabenkämpfe an und ums Bett herum waren uns fremd, bis auf einige wenige Ausnahmen. Und wir wussten das auch sehr zu schätzen. Dann kam der Zeitpunkt, als die Schlupftstangen entfernt wurden, und Baby selbst rein und rauskrabbeln konnte. Unser Kleiner fand das prima, aber er kam nicht auf die Idee, nachts einfach rauszukrabbeln – was wir schon befürchtet hatten. Nö, er blieb brav in seinem Bettchen liegen. Dann irgendwann die nächste Schlaf-Evolutions-Stufe: Gitter kam ganz weg. Und auch hier ging die Sache mit dem „Kind-bleibt-brav-in-seinem-Bett-Liegen“ ziemlich lange gut. Er rief immer noch „Mama“ und „Papa“, wenn er aufstehen wollte oder etwas anderes geregelt werden musste, kam aber nicht auf die Idee, selbst aufzustehen, die Tür aufzumachen, und raus zu kommen. Es war die Ruhe vor dem nächtlichen Sturm. Denn irgendwann hat Baby kapiert, was Sache ist, und seine neue Freiheit entdeckt. 

Seitdem haben wir nächtliche Routinen, die ungefähr so ablaufen: Zu unterschiedlichsten Zeiten (00:00 Uhr, 2:00 Uhr, 5:00 Uhr) geht die Kinderzimmer-Tür auf, und dann tippelt und tappelt ein kleines Gespenst im High-Speed-Tempo über den dunklen Flur, krabbelt innerhalb von wenigen Hunderstel Sekunden in Mamas und Papas Bett, und lässt sich – plumps – zwischen selbige fallen. Dabei hat das kleine Gespenst meistens noch nicht mal die Augen auf. Es schläft direkt weiter. Und alles wäre an und für sich wunderbar, würde Baby einfach nur wie ein Stein zwischen uns schlafen. Aber das tut es nicht. Der junge Mann absolviert jede Nacht einen ganzen Marathon an Bewegungsabläufen, dass es kein Wunder ist, dass er morgens erst mal nach einer großen Pulle Kakao Marke extra-süß kräht. Wenn ich nachts so viel rumhampeln würde wie mein 2,5 jähriger Sohn, müsste ich mich nicht mehr auf Laufband und Co. quälen. Bikinifigur über Nacht, schlank im Schlaf par Excellence.

Und ich hätte auch noch nicht mal etwas gegen seine nächtlichen Fitness-Übungen, sofern wir ein 10qm großes Bett hätten. Aber die Fläche von 2 mal 2 Metern ist halt doch recht eng, wenn sich darin 2 Erwachsene, 1 Hampel-Baby und am Fußende noch ein minder weniger aber dafür umso mehr schnarchender Vierbeiner tummeln. An ruhigen, tiefen Schlaf ist hier nicht zu denken. 

Wenn mein kleines Gespenst zu uns ins Bett gekrabbelt kommt, finde ich das einerseits auch total süß. Was gibt es schöneres, als seinem Kind beim Schlafen zuzusehen. Er liegt da, wie ein Engel, und ich bin ganz entzückt. Aber das kann man eben nur so lange genießen, wie man nicht selbst schlafen will. Denn dann kommt das nach Schlaf gierende Ego-Monster in einem durch, dass das kleine Wesen im Bett nur verflucht und nach einsamen Nächten in einsamen Betten lechzt. Der einzige Ausweg: Flucht auf die Couch. Wütend stampfend und entnervt. Denn Kind zurücktragen bringt gar nichts. Die kleinen Gespenster sind ziemlich hartnäckig. Sie kommen wieder. Immer wieder.

 

Wie so oft in Sachen Eltern-Dasein: Zynismus und Ironie hilft immer.

 

Kann man abends beim Zubettbringen noch Erziehungsmaßnahmen durchboxen, sollte es hier Widerstände geben, man ist schließlich noch wach und voller Willenskraft, kann man diese Willenskraft und das Durchhaltevermögen nachts um 2:30 einfach nicht aufbringen. Man ist betrunken vor Müdigkeit, es geht einfach nicht. Also fügt man sich in sein Schicksal. Und gegen „Kind krabbelt zu Mama und Papa“ ins Bett ist auch kein Kraut gewachsen. Da hilft nichts. Wir sagen uns immer „Naja, bis er 18 ist, wird er schon wieder von ganz allein in seinem Bett schlafen wollen“. Wie so oft in Sachen Eltern-Dasein: Zynismus und Ironie hilft immer.

Und dann las ich neulich, ich glaube in einem Nido-Heftchen, in einem Artikel, der dem selben „Problem“ auf den Grund ging, ganz wunderbare und völlig logische Erklärungen von Kindern, warum sie denn immer wieder zu Mama und Papa ins Bett krabbelten. Und die waren einfach entwaffnend gut. 

Erklärung Nummer 1: Ich habe euch, also Mama und Papa, halt so lieb, ich will halt ganz nah bei euch sein.

Erklärung Nummer 2: Mama und Papa, ihr schlaft doch auch nicht allein, sondern zu zweit in einem Zimmer und in einem Bett. Warum sollte ich dann der einzige sein, der allein schlafen soll?

Daraufhin hatte ich keine Argumente mehr. Klingt ziemlich einleuchtend, oder?

In mein nächtliches Schicksal habe ich mich daher ergeben. Wenn es gar nicht mehr geht, flüchte ich auf die Couch. Manchmal hilft es auch, sich einfach umzudrehen. Also Kopf am Fußende, da ist bisschen mehr Platz. Aber Baby ist ja nicht dumm. Der merkt das. Und schwupp, dreht sich Baby auch um. Wäre ich Erfinder, würde ich ein High-Tech-Bett erfinden, aus dem auf Knopfdruck bei nächtlichem Kinder-Besuch links und rechts zwei Erweiterungs-Matratzen ausfahren, mit Kissen und Bettdecke drauf. Und morgens fährt man das ganze einfach wieder ein. Denn das ist auch so ein Ding: Hat es sich Kind in der Besucherritze gemütlich gemacht, muss man trotzdem noch mal schlaftrunken in sein Zimmer taumeln, um Decke, Kissen, Kuscheltier, Flasche und Schnuller oder sonstirgendwelche individuellen Schlafingredienzien rüber zu holen. Sonst kämpft man nicht nur um Platz, sondern auch um Kissen und Decke.

 

Lassen Sie die Gitter in Ihrem Babybettchen so lange
wie möglich drin! Am besten, bis es 18 ist!

 

An dieser Stelle sei allen Eltern geraten: Lassen Sie die Gitter in Ihrem Babybettchen so lange wie möglich drin! Am besten, bis es 18 ist! Erhöhen Sie das Gitter zur Not! Macht sich sicher auch gut als Schutzmaßnahme, wenn das Kind in die Pubertät kommt. Ähm. Das war nur ein Scherz. Also das mit „bis es 18 ist“. Ich meinte natürlich, bis es 14 ist.

In Unternehmen nennt man es übrigens „flexible working“, wenn Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz immer wieder wechseln, mal in dem, mal in dem Büro arbeiten. Das soll dafür sorgen, dass die Mitarbeiter frisch bleiben, neue Leute und Prozesse innerhalb des Unternehmens kennenlernen, nicht einrosten, nicht in Routinen ertrinken. So könnte man unser derzeitiges Schlafverhalten also auch nennen: Flexible sleeping. Mal sehen, was nächste Nacht wieder alles im Bett passiert – und mal sehen, wo ich wie aufwache. Vielleicht buche ich mir einfach mal ein bis zwei Nächte in einem Hotel. Ganz allein.

Und dann werde ich auch nicht schlafen können. Weil ich mein kleines Gespenst schrecklich vermissen werde.

P.S. Sollten Sie in diesem Text vermehrt Rechtschreibfehler finden: Sorry. Ich bin echt müde.