Urlaubsvorbereitungsphänomene

SummerHoliday

 

Die Sache mit dem Urlaub ist ja wirklich spannend. Was ich mich schon immer gefragt habe: Woher kommt dieses Wort? Und was bedeutet es? UR-LAUB. Ich denke dabei an an Urwald-Laub. Oder Laub aus Urzeiten. Woran ich dabei nicht denke, sind Sonne, Sommer, Strand und Cocktails. Es klingt ja auch so doof. So hart, so nach Kaktus und verdörrter Steppe. Ein perfektes Beispiel, wie ein Wort mal sowas von gar nicht zu der eigentlichen Bedeutung passt. Im Englischen heißt es ja HOLIDAY. Und das klingt auch schon so schön. So weich. So nach Luftmatratze auf dem Meer, so nach Hollywood-Schaukel, so nach Sommer und Eiscreme. Zerrt man das Wort auseinander und zerlegt es in seine Bestandteile, bekommt man "Holy Days" - also die "heiligen Tage". Und passt das nicht wie die Faust aufs Auge? Die Engländer und Amis haben´s halt einfach raus. Und was machen wir? Wir machen URLAUB. 

Spannend ist aber tatsächlich die wörtliche Übersetzung des englischen Begriffes: Die heiligen Tage. Für die meisten von uns sind die 2-3 Wochen durchschnittlicher Jahresurlaub in der Tat heilig. Und was uns heilig ist, gehen wir natürlich entsprechend akribisch an. Und hierbei sind, so finde ich, zwei ganz spannende Phänomene vor allem in der Urlaubsvorbereitungsphase zu beobachten. 

 

Vaddi will dies, Muddi will das - et voilá, es knallte.

 

1. Der Großeinkauf im Drogeriemarkt

Schon als Kind konnte ich die hektische Betriebsamkeit meiner Mutter beobachten, wenn ein mehrwöchiger Familienurlaub anstand. Und auch wir blieben nicht von den typischen Urlaubs-Vorbereitungs-Stress-Streits unserer Eltern verschont. Vaddi will dies, Muddi will das - et voilá, es knallte. Aber das ist wieder ein ganz anderes Phänomen. Was mich immer immens beeindruckt hat, war der Großeinkauf im Drogerie-Markt wenige Tage vor Reise-Antritt. Meine Mutter ließ ein ganzes halbes Monatsgehalt dort und investierte in Schampoo, Spülung, Haarsonnenschutz, 5 verschiedene Sonnenmilche (oder Sonnenmilchs?) mit verschiedenen Lichtschutzfaktoren, After-Sun-Lotions, Mückenzeug, Pflaster, Duschgele, Kleenex, Rei in der Tube und und und. Sie hat das ganze Zeug säckeweise nach Hause geschleppt, und der Koffer war schon voll allein mit der Ausstattung an Körperpflege-Produkten.

Umso mehr musste ich nun lachen, als ich sah, wie sich bei mir, im Zuge der Urlaubsvorbereitung, im ganzen Haus nun kleine Stapel bilden mit all den Dingen, die ich mitnehmen will. Der größte Haufen ist im Badezimmer. Und ja, auch ich hab den DM-Markt fast leer gekauft. 

Man kauft ja auch Dinge, die man sonst nie kaufen würde. Für meinen Sohn z.B. Dinosaurier-Pflaster, falls der kleine Rumtobe-King sich die kleinen Knie aufschrabbt. Dass wir stapelweise Pflaster zu Hause haben, ist egal. Im Urlaub braucht man unbedingt Dino-Pflaster. 

Überhaupt ist Urlaub so viel mit Kaufen verbunden. Wir kaufen uns schon im Vorfeld so viel Gedöns, Hüte, die wir sonst nie aufsetzen, komische Flatterhosen, die wir sonst nie anziehen, alberne Kleidchen und Taschen. Und im Urlaub selbst kaufen wir auch meistens noch viel, viel mehr Quatsch, den wir zu Hause dann äußerst fragwürdig finden. Komisch, komisch, komisch. 

 

2. Der Urlaub macht einen anderen Menschen aus mir

 

Das zweite Phänomen ist die Erwartungshaltung, wie unglaublich genial und toll diese Tage sein werden und sein müssen. Wir tun dann immer so, als würden die popeligen 2 Wochen, die wir dann halt mal eben weg sind, unser Leben verändern. Uns verändern. Wir wollen ganz viel Input und wir wollen als neu erfundener Mensch wiederkommen. Wir sehnen uns nach einem inneren Aufploppen, einem inneren Erblühen und Erwachen. So dass wir wieder kommen und erleuchtet sind und wir unsere schnöde Alltags-Welt mit ganz neuen Augen sehen, und vor allem die schnöde Alltags-Welt uns mit ganz neuen Augen sieht. Dass die Reise etwas "mit uns macht". Eine 12monatige Weltreise macht sicher was mit einem, aber 2 Wochen Malle, 2 Wochen Toscana, 2 Wochen Thailand im sicher gebuchten TUI-Netz?

 

Wir tun dann immer so, als würden die popeligen 2 Wochen, die wir dann halt mal eben weg sind, unser Leben verändern.

 

Urlaub ist wie der Silvester-Abend. Alle erwarten, dass was spannendes und außergewöhnliches, "something live-changing", passiert, aber außer einem feucht-fröhlichen Abend - Schrägstrich - außer ein paar feucht-fröhlichen Tagen passiert: Nüschte. 

Hach, und was man alles plant, was man alles machen will. Was man sehen, hören, lesen, angucken will. Nur um meistens dann doch die vielen schweren Bücher, die man mitgeschleppt hat, wieder ungelesen und unangetastet mit nach Hause zu nehmen. 

So. Ich muss jetzt erst mal Wäsche waschen. Auch so ein Phänomen. Man zieht kurz vorher nur noch olle Klamotten an, damit die "Guten" ja ihren Weg in den Koffer finden. Und man kann es nicht ertragen, noch ungewaschene Wäsche im Wäschekorb zu haben, weil es könnte ja GENAU DAS TEIL dabei sein, was man im Urlaub irgendwann schmerzlich vermissen würde. 

So, jetzt aber: Entspann dich. We are schließlich going on a summer holiday and not on a Mond-Erkundungs-Trip.