Frauengedöns

Frauenkram

 

Das ewige Gezänke um uns Frauen, es ist wirklich zermürbend. Wir Frauen sind so kompliziert, dass wir sogar ein eigenes Ministerium brauchen. Und ständig und überall irgendwelche Debatten. Aufschrei, Feminismus, Frauenquote und so weiter. Und ich? Ich weiß nie, was ich davon halten soll. Einerseits finde ich es gut, dass "Schwächere", da wo es nötig ist, besonders geschützt und gefördert werden. Andererseits macht mich genau das immer wieder wütend: Dass wir Weiber immer wieder mit diesem Frauen-Scheiß ankommen. Brauchen wir, also ich spreche von uns Damen im westlichen Europa, echt soviel Schutz? 

Wenn es hart auf hart kommt, auch in Sachen Karriere, kommen Frauen früher oder später immer mit dem Klopper "Die gläserne Decke" und werfen den bösen Männern vor, dass MANN sie ja bei den großen Jungs nicht mitspielen lassen will. Und dann jammern die Frauen rum. Das nervt. Auch mich als Frau. Und dann schäme ich mich manchmal, dass wir Mädels in dieser Hinsicht so oft echte Weicheier sind. 

 

Wir Frauen sind so kompliziert, dass wir sogar
ein eigenes Ministerium brauchen.

 

Ich weiß nicht warum, aber auch in Sachen Frauen-Netzwerke, Frauen-Events etc tue ich mich wahnsinnig schwer. Mag sein, dass es für den, bzw. die eine oder andere wertvolle Impulse gibt, ich will auch niemandem zu nahe treten, der sich hier engagiert, aber für mich, auch als Unternehmerin und Gründerin eines Biotech-StartUps, kam das nie in Frage, mich bei sowas zu engagieren. Weil es sich immer irgendwie so anfühlte wie Trostpreis. Uncool. Ich wollte immer bei den großen Jungs mitmischen. Da, wo die echten, heißen Dinge besprochen werden. 

Und dann habe ich immer wieder genau das erlebt, was wir Frauen immer wieder anprangern. Und dass es in der Tat nicht einfach ist, bei den großen Jungs mitspielen zu dürfen. 

 

Situation 1: Ich will für mein Start-Up www.pharmatching.com PR machen. Ich kontaktiere relevante Redaktionen, unter anderem den damaligen Chefredakteur vonGründerszene.de, über das Business-Netzwerk Xing. Heißt, man sieht sofort das Profil des anderen, samt Foto. Ich bekomme auf meine Anfrage prompt eine Antwort und auch ein Kompliment für mein süßes Lächeln. Das dämliche Weib in mir fühlt sich geschmeichelt, die Business-Frau in mir aber findet es grenzwertig und fragt sich, ob der Chefredakteur auch einem Mann schreiben würde, was für ein süßes Lächeln er hat. Nun gut, ich kann den guten Mann davon überzeugen, dass er sich meine Gründer-Story mal anhört, in der Hoffnung, dass er oder seine Kollegen uns in einem netten Artikel vorstellen - was wertvolle PR für uns bringen könnte. Wir verabreden uns auf einen Kaffee und einen Plausch. Und ja, wir trinken Kaffee und plauschen auch, ganz professionell fragt er mich nach monatlichen Burn-Rates (ergo Fix-Kosten), schmeißt mit Internet-Slang um sich und macht einen auf Macker. Und, was ich auch bemerke, er starrt die ganze Zeit auf meinen Ehering, was ihn wohl sichtlich irritiert. Und irgendwann spricht er es auch an: "Soso, du bist also verheiratet." Und ich frage mich, ist das irgendwie relevant für die Berichterstattung über Deutschlands Start-Up-Szene? In der, nebenbei bemerkt, immer wieder bemängelt wird, dass es so gut wie keine Gründerinnen gibt. Und ich frage mich schon wieder: Würde er mich das fragen, wäre ich ein Mann? Offensichtlich hatte der Herr Chefredakteur nie vor, einen Artikel über uns zu verfassen. Er wollte mich anbaggern. Mehr nicht. Ich kann das ganze jetzt auch professionell sehen, und mir einreden, dass ihn unsere Story nicht umgehauen hat. Und wir nicht interessant genug waren. Aber sein Verhalten war einfach zu offensichtlich. Um das ganze zu vervollständigen: Natürlich bekamen wir nie einen Artikel.

 

Situation 2: Ein Start-Up-Gründer-Event in Köln. Da geht man ja gerne mal so hin, als hipper Internet-Unternehmer. Mittlerweile meide ich solche Veranstaltungen wie die Pest: Überall nur Blabla, dicke Eier und massenweise heiße Luft. Pure Zeitverschwendung. Unter all den vielen Anzugträgern bin ich - fast - die einzige Frau. In einem Pitch stellen die Gründer in 5 Minuten ihr Start-Up vor - man kann irgendeine Förderung gewinnen. Auch ich mache mit. Ich ernte Beifall. Und hinterher kommen die Jungs an meinen Präsentationstisch, und alle mit rotem Kopf, ganz verlegen, wie kleine Schuljungen. Man schnackt kurz mit mir, stellt Fragen zu meinem Unternehmen, aber es fühlte sich nie wirklich "businessmäßig" an. Hinterher verabschiedeten sie sich und gingen grinsend zurück zu den Kumpels, die alles beobachtet haben. Als wollte man halt einfach mal testen, wie die Blondine im kleinen Business-Schwarzen so drauf ist. Wäre ich ein Typ, hm, wäre das alles irgendwie anders verlaufen. 

 

Situation 3: Biotech Europe, großes Netzwerk-Event. Auch hier präsentieren wir unser Unternehmen. Und auch hier sind wir fast die einzigen Frauen. Und auch hier wurden wir immer angegafft. Und nein, ich bilde mir das nicht ein. Und das nervt irgendwann. 

 

Es gibt Tage, da kann man das mit Humor nehmen. Da ist man cool, und kann mit diesem Mann-Frau-Ding auch spielen. Bezirct bewusst, setzt "weibliche Taktik" ein. An anderen Tagen ist es einfach nur anstrengend, sich immer wieder beweisen zu müssen, und immer wieder versteckte Anzüglichkeiten zu ignorieren. Und schon allein die Frage, was man bzw. frau anziehen soll, kostet Energie. Kleid? Nee, zu weiblich. Hosenanzug? Nee, zu betont gewollt männlich. Haare offen? Nee, zu Blondinen-Mäßig. Hochgesteckt? Nee, zu streng. Es ist zum Piepen. Männer haben mit solchen Fragen selten zu kämpfen. Die können sich von vornherein aufs Wesentliche konzentieren: Das Geschäft. 

 

Würde der Chefredakteur auch einem Mann schreiben,
was für ein süßes Lächeln er hat?

 

Wir werden nicht immer ernst genommen. Und das ist ein Teufelskreis. Ich glaube nicht, dass wir ernster genommen werden, wenn wir uns in eigenen Netzwerken abschotten und dort unser Ringelrein spielen. Wir müssen die Netzwerke der Männer türmen und stürmen und dort auf dicke Hose machen und ja, ordentlich auf die Kacke hauen. So lange, bis es keine Sonder-Debatten mehr über Frauen gibt. Und: Wir müssen endlich aufhören, zu jammern. 

Das einzige, was wir Frauen tun können: Statt Vereine gegen die Diskriminierung zu gründen oder irgendwelche Gender-Gedöns-Firmen oder uns bei der Frauenbeauftragten ausheulen: Wir müssen ins Management. Wir müssen Unternehmen gründen. Wir müssen uns da durchbeißen. Und zwar auf unsere Weise. Wir müssen das nicht tun wie die Männer.  Wir können das so tun, wie Frauen das tun würden. Und ja, wir können das. Und wenn wir keine Lust auf Netzwerken im Puff und auf´m Golfplatz haben, dann schließen wir die Deals eben woanders ab. Aber: Wir müssen genau das tun - und dürfen nicht ständig darüber lamentieren, warum es nicht geht - und wer daran Schuld ist.

Ich könne doch zu dem Thema mal einen Vortrag halten, habe ich schon öfter gehört. Aber da fängt es ja schon wieder an: Vor wem soll ich denn diesen Vortrag halten? Den Männern ist das doch scheiß-egal. Die lachen ja nur über unser Frauengedöns. Und die Frauen? Wollen sie wirklich, à la Sheryl Sandberg, in den Arsch getreten bekommen? Von einer anderen Frau, die scheinbar auch noch alles hat - Job, Geld, Kind, Hund, Karriere und Ideal-Figur? Wollen Frauen wirklich hören, dass sie aufhören sollen zu heulen und sich reinknien sollen? Meine Erfahrung: Nee. Wollen se nich. Lieber finden sie wieder 1000 Ausreden. Und genau das ist Part des "Problems". 

In Sachen Frauengedöns bleibe ich ratlos und bin hin und her gerissen. Mich nervt einerseits, wie wir Frauen damit umgehen, dass wir Frauen sind. Und so vieles in Sachen "Feminismus" ist so uncool und peinlich. Andererseits kann ich auch nicht verleugnen, beispielsweise aus oben geschilderter Erfahrung heraus, dass es diese Akzeptanzprobleme nicht gibt. Es ist wirklich nicht easypeasy. 

Auf jeden Fall wünsche mir eine Welt, in der wir irgendwann über dieses Frauengedöns nicht mehr debattieren müssen.