Das neue Normal – und warum Lena Dunham, Girls und dicke Models es nicht sind

LenaDunham

Warum muss dasnormale „Normal“ in den Medien eigentlich immer völlig skurril sein? Warum finden völlig  „normale“ Menschen nie wirklich in der Öffentlichkeit statt?

 

Beispiel 1: Modelbusiness

 

Hier gibt es nämlich nur drei Extreme: Entweder es laufen erbärmliche Geschöpfe der Kategorie Size Zero = Spindeldürr = Knochengestell, Größe 32 und abwärts, über den Laufsteg. Oder aber unfassbar schöne Geschöpfe, die nicht von dieser Welt zu sein scheinen mit makellosen Bodys, Haaren und Gesichtern (Kategorie Victoria Secrets Model, Größe 34-36 bei Körpergrößen um die 180cm) Oder aber sehr, sehr kurvige Damen, Größe 44 aufwärts, die als „jippieh-juchee-endlich-normale-Frauen“ abgefeiert werden.

Nun habe ich ja per se nichts gegen diese Vielfalt auf den Laufstegen – und mit Kategorie 1 und 2 identifiziere ich mich sowieso nicht, aber was mich immer richtig ärgert, dass die „wirklich normalen“ Frauen sich nirgends wieder finden. Wo sind die Größen 38-42? Wo sind die Frauen, die weder extrem dürr, noch extrem dick, noch extrem wunderschön und makellos sind, sondern einfach nur extrem normal? Was mich immer wieder ärgert, sobald eine etwas fülligere Dame Klamotten eines Designers präsentieren darf, sorgt das immer wieder für die gleichen Schlagzeilen: Endlich keine Magermodels mehr! Juhu, hier führen normale Frauen die neue Mode vor!

 

Wo sind die Frauen, die weder extrem dürr, noch extrem dick, noch extrem wunderschön und makellos sind, sondern einfach nur extrem normal?

 

Mann, nein, verdammt! Warum muss „endlich keine Magermodels“ automatisch zu Mops-Models führen? Also ich habe nichts gegen „mollige Frauen“ und ich finde es auch toll, dass sie Mode präsentieren, aber was ich nicht toll finde, dass es dann automatisch heißt, das sei die normale Frau, in der sich jede normale 08/15-Uschi von der Straße widerspiegeln kann. Und ich denke mir: Äh, nein. Warum muss es immer das eine oder andere Extrem sein – warum dürfen nicht einfach mal wirklich ganz normale Frauen – weder extrem dünn und weder extrem dick – Mode präsentieren? Sind wir wirklich normalen Frauen einfach zu normal und damit einfach nur langweilig? 

 

Beispiel 2: Lena Dunham & "Girls"

 

Lena Dunham wird als das neue It-Girl der Stunde gefeiert. Sie ist Autorin und Filmemacherin, sie hat die Erfolgsserie „Girls“ erfunden, hat die Drehbücher geschrieben, hat die Serie produziert und spielt auch noch die Hauptrolle. Sie war auf dem Vogue-Cover und ist die Frau der Stunde. Und dabei sieht sie aus wie ein sehr kugeliger Prinz Eisenherz. Und ihre äußerst fragwürdigen Outfits auf den roten Teppichen dieser Welt sorgen immer wieder für Verzweiflung bei Stilexperten. 

Jetzt hat Lena Dunham ein Buch geschrieben ("Not that kind of girl - was ich im Leben so gelernt habe"), für das sie angeblich 3.5 Millionen Dollar Vorschuss kassiert haben soll. In dem Buch geht es um nichts anderes als um ihr ziemlich chaotisches Leben, ihre ziemlich chaotischen Männer- und Sex-Geschichten. Und auch wenn immer viel Sex in ihrem Buch und in ihrer Serie vorkommt, eins ist es nie: Sexy. 

Ich gönne Lena Dunham von Herzen ihren Erfolg. Aber, was mich ärgert, ist, dass im gleichen Atemzug mit ihrem Namen und ihrer Serie „Girls“ immer wieder Sätze fallen wie „Die Rückkehr der Normalität“, „Die Stimme der echten Frauen“, „So sind Frauen wirklich“ etc. Und ich möchte am liebsten laut schreien: NEIN VERDAMMT! So sind wir nicht! 

Um die Serie „Girls“ ist man ja irgendwie nicht herum gekommen. Weil ich so viel über die Serie als auch ihre famose Macherin gelesen habe, habe ich mal reingeschaut. Und mir ging es dabei wie bei einem Unfall: Ich war fasziniert vom Schrecken. Ich konnte nicht wegschauen. Aber gleichzeitig fühlte ich mich von den Stories und den Settings und den (meisten) Darstellern einfach nur abgetörnt. Man kann das, was in Girls passiert, so runterbrechen: Loser-Leute führen Loser-Leben. Und nein, das ist noch nicht mal besonders witzig oder skurril, es ist einfach nur erbärmlich. Mir bereitet das Angucken dieser Serie regelrecht körperliche und seelische Schmerzen. 

Nun wird „Girls“ und vor allem seine Macherin immer wieder gefeiert, weil es das Gegenteil von der Glamour-Welt von „Sex and the City“ ist, die natürlich alles andere als realistisch ist. Aber sorry, das, was in Girls gezeigt wird, ist auch nicht realistisch. So abgefuckt, wie die Hauptdarstellerin sich durchs Leben lost, so abgefuckt, wie sie aussieht und so abgefuckt, wie sie Sex hat, das kann alles nicht sein. Hier wir das Abgefuckt-sein dermaßen zelebriert, dass ich mich frage, meinen die das echt ernst?

 

Man kann das, was in "Girls" passiert, so runterbrechen: Loser-Leute führen Loser-Leben. Und nein, das ist noch nicht mal besonders witzig oder skurril, es ist einfach nur erbärmlich.

 

Jedenfalls fand ich die wenigen Male, die ich in „Girls“ reingezappt habe, immer einfach nur unerträglich.  Was Lena Dunham in ihrer Rolle sagt (die, wie man mittlerweile weiß, stark autobiografisch angelegt ist), wie sie aussieht, diese schrecklichen Outfits. Und dann zieht sie sich auch noch ständig aus und hat hässlichen Sex mit hässlichen Männern. Und sie macht das alles auf dermaßen plumpe und hässliche Art und Weise, dass ich mich frage, wie kann sich denn jemand mit ein bisschen Selbstachtung selbst so demontieren?

Ich muss keinen perfekten Bilderbuch-Sex sehen mit perfekten makellosen Menschen. Es gehen auch normale Menschen und normaler Sex. Klar. Aber das, was Lena Dunham da regelmäßig auf die Bildschirme loslässt, ist schon fast selbstverachtend. Man kann „normalen“ Sex auch anders inszenieren.

Aber viel mehr wundere ich mich, dass Lena Dunham bzw. die Rolle die sie in „Girls“ spielt, als die neue normale Frau gefeiert wird. Und ich denke mir: Verdammt. Die ist nicht normal. Die ist einfach nur gestört. Die gehört in eine Klinik. Ich finde es ja löblich, dass man jenseits von der Glamourwelt von „Sex and the City“, wo die Ladies das einzige Problem haben, wo sie die nächsten Manolos und den nächsten reichen Hengst herkriegen, eine Alternative anbieten will. Aber sorry, liebe Filmschaffenden, zwischen übertriebenem Glamour-Upper-East-Side-Kitsch und völlig übertriebenem abgefucktem Loser-Dasein am Rande der Selbstzerstörung gibt es tatsächlich noch einige andere Abstufungen und eine echte Normalität. Aber die ist wohl zu langweilig. 

Ich kann mich jedenfalls weder mit SATC identifizieren, noch mit „Girls“.  Auf jeden Fall sage ich "Girls" aber den Kampf an, denn ich lasse mir nicht einreden, dass die modernen jungen Frauen so sind wie in „Girls“. Gott, das wäre ja furchtbar! Die Serie „Girls“ ist ein Schlag ins Gesicht für jede „normale“ Frau. Alles darin ist so neurotisch, so schlimm, so hässlich. Keine „normale“ Frau auf dieser Welt kleidet sich so, lebt so, hat solchen schlimmen Sex, trifft solche dehydrierten Typen.

Also, falls es da draußen noch so ein Multitalent à la Lena Dunham gibt: Bitte schreib´ Bücher und mach Filme über die wirklich normalen Frauen und ihre wirklich normalen Körper, ihren wirklich normalen Sex und ihr wirklich normales Leben. Das ist nämlich weder besonders glamourös, noch besonders abgefuckt. Es ist einfach nur ganz normal.

Die einzige Hoffnung, die ich noch habe, ist, dass Lena Dunham das ALLES nur spielt. Auch sich selbst. Dass das alles nur ein großes Projekt ist, ein Experiment und eines Tages wird sie uns überraschen mit "Halli Hallo Palimm Palimm, ich bin gar nicht so, sondern ganz normal und ich habe mich mit Absicht so hässlich gemacht und ich lache mich halb kaputt, dass ihr mir das alles geglaubt habt und meine Hässlichkeit auch noch als das neue Normal gefeiert wurde."