Gedankenblitze kurz vorm Einschlafen

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Nie ist Ruhe in meinem Kopf. Ständig denkt es mich. Wer auch immer dieses ES ist. Ich probiere es immer wieder mal mit Meditation, um da oben Ruhe einkehren zu lassen (es sogar Apps, wieHeadspace, dafür) , aber es ist ja wirklich erstaunlich, wie schwer es fällt, einfach mal 10 Minuten nur dazusitzen und nichts zu denken. Das Gefühl, plötzlich alles so deutlich wahr zu nehmen (Ah, der Arm kribbelt! Ah, das Gluckern der Heizung!), macht mich oft ganz kirre. Ja, ich weiß, Übung macht den Meister. 

Jedenfalls denken wir ja alle, den lieben langen Tag. Und das ist natürlich auch gut. Aber schon mal über die eigenen Gedanken nachgedacht? Schon mal Gedanken-Gedanken gemacht? Meine Gedanken verwundern mich ganz oft, denn immer wieder wabern Gedankenfetzen und Gedankenfragmente durch mein Hirn, die mich erschüttern. Weil sie so ungeheuerlich sind. Ich halte mir dann virtuell meinen eigenen Mund zu, damit diese Gedanken nicht nach außen kommen. Aber da habe ich die Kraft der Gedanken unterschätzt. Man kann ihnen nicht das Maul verbieten. Die Gedanken sind frei. Und so. Diese Gedanken laufen mir zu, ständig und überall. Ich fühle mich manchmal wie eine Philosophin, und bin ganz erstaunt darüber, dass sich dieses bewegende Denk-Gut ausgerechnet in meinem Tussi-Hirn einnisten will. 

Besonders kurz vorm Einschlafen wuseln oft ganz aparte Gedanken durch meinen Kopf, und ich bin ganz begeistert davon. „Was für eine geniale Idee! Was für eine unfassbare Erkenntnis! Welch weltbewegende Fragestellung!“, denke ich dann diesen Gedanken begleitend. Aber ich bin schon zu müde, um diesen noch in mein iPhone zu tackern. Meine Notiz-App ist voll mit diesen Gedanken-Bruchstücken. Aber diese Gedanken durchblitzen mich oft mit solch einer Wucht, dass ich weiß, dass sie groß und bedeutend sind. Und dass ich mich mit ihnen auseinandersetzen muss. Diese Gedanken lauern wie angekettete zappelige Monster in meinem Kopf. Sie grollen, gurgeln und knurren bedrohlich, bis ich sie endlich dort raus lasse und zu Papier / iPhone bringe. Und wenn ich das nicht tue, hauen sie einfach ab über Nacht. 

Denn: Dann ist da diese herrliche Schwere, die einen in die Laken drückt, wenn man kurz vorm Rübergleiten ins Schlafland ist. Gegen die man sich nicht wehren kann und auch nicht wehren will. Dieses Gefühl kurz vorm Einschlafen ist einfach zu gut. Point of no return. Good bye, see you tomorrow. Im Idealfall. Jeder, der sich stundenlang jeden Abend im Bett hin und her wälzt, sehnt sich nach dieser Schwere. Also gibt man diesen Moment nicht einfach auf. Man könnte auch gar nicht, wenn man wöllte. Man müsste sich schon sehr zwingen, zum iPhone zu greifen und den meisterhaften Gedanken zu notieren.

Desweiteren: Jeder weiß, wie sehr so ein iPhone-Display blendet, wenn es dunkel ist und man selbst die Augen vor Müdigkeit kaum aufbekommt. In diesen Gedankenbruchstück-aufblitzmomenten bin ich mir sicher, der betreffende Gedanke ist von solch immenser Bedeutung, er wird sich schon nicht über Nacht verflüchtigen. Aber Pustekuchen. Am nächsten Morgen wache ich dann auf, ich erinnere mich dunkel, dass ich kurz vorm Einschlafen noch einen genialen Einfall hatte, aber der ist, natürlich, weg. Ich versuche mir einzureden, dass der besagte Gedanke folglich von gar nicht all zu großer Bedeutung sein kann, sonst hätte ich ihn ja nicht vergessen. Aber das ist ein Trugschluss. Die Erinnerung an das Gefühl des AHA-Moments kurz vorm Einschlafen ist noch zu deutlich. Aber der Gedanke ist weggeflutscht. Wie ein Stück Seife in der nassen Hand. Irgendwo hinein in die unendlichen Weiten der dunklen Nacht hat er sich verpieselt. Und dann ärgere ich mich. Und nehme mir vor, beim nächsten Mal, wenn mich Genialität kurz vorm Einschlafen trifft, dann aber wirklich die Arschbacken zusammen zu kneifen, und diesen kongenialen Gedanken zu notieren und festzuhalten. Und ich weiß schon jetzt, dass das nichts wird. Zu schwer ist die Decke aus bleierner Müdigkeit, unter der die Gedanken einfach wieder in die Welt hinaus entfleuchen.