Warum "unartig" sein die wichtigste Zutat für Innovation und Kreativität ist

Wollen wir nicht alle gern innovativ und kreativ sein? So total crazy, so voll Hipster und Disruption und digital und thinking out of the box und VUKA und Design Thinking StartUp und so voll Berlin-Hinterhof-Style? Yeah. 

Mal ganz ehrlich und nüchtern betrachtet: Sind wir wirklich innovativ und kreativ? Arbeiten wir in einem innovativen und kreativen Unternehmen? Wollen wir das überhaupt? Will das Unternehmen überhaupt wirklich kreativ und innovativ sein? Und was bedeutet das überhaupt? 

Das Gegenteil von kreativ, ist laut Antonym-Suchmaschine www.was-ist-das-gegenteil-von.de (ja, sowas gibt´s! Voll kreativ!) übrigens: 
 

phantasielos, kreativlos, unkreativ, unfähig, einfach, simpel, lethargisch, lustlos, stumpfsinnig, einfallslos, Zerstörung, mechanisch, zerstört
 

Das Gegenteil von innovativ ist dort demnach: 
 

einfallslos, unkreativ, gedankenlos, fantasielos, traditionell
 

Innovation heißt wörtlich „Neuerung“ oder „Erneuerung“. Das Wort ist vom lateinischen Verb innovare (erneuern) abgeleitet. Wichtiger Hinweis an dieser Stelle: Innovation hat nichts damit zu tun, die Ehefrau gegen die 24jährige Assistentin auszutauschen. Oder die Kinder gegen einen Hamster. 

 Nicht alles ist innovativ ... via  Buzzfeed

Nicht alles ist innovativ ... via Buzzfeed

Innovationen entstehen aus Ideen. Ideen entstehen, wenn wir kreativ sind. Eine Innovation ist aber nicht nur eine Idee. Denn die Idee muss aus dem Kopf raus und durch konkretes Handeln umgesetzt werden. Es müssen also neue Produkte oder Dienstleistungen entstehen, die am Markt auch bestehen und gewollt werden. Also steht eine Innovation immer irgendwie auch unter Erfolgsdruck. Ein innovatives Produkt, das nicht erfolgreich in den Markt gebracht werden konnte, verliert also das Etikett „Innovation“. Es war mal als solches angedacht, ist aber dann nur noch ein Rohrkrepierer. 

Innovationen sind nicht einfach so da. Die wachsen nicht im Wald. Wirtschaftswissenschaftler Joseph Schumpeter definierte es so: Die Innovation ist ein willentlicher und gezielter Veränderungsprozess hin zu etwas Erstmaligem, Neuem. Man sucht also Lösungen für Probleme. Oder erschafft Probleme, die vorher noch gar nicht da waren, um dann eine innovative Lösung aus dem Hut zaubern zu können. Die Kosmetik-Industrie beherrscht das zum Beispiel ganz gut, Probleme zu kreieren, die gar nicht da sind. 
 

Aber was muss man können, wie muss man ticken, um wirklich innovativ zu sein? Wichtige Zutaten sind: Neugier. Kreativität. Lust auf Veränderung haben. Man muss Bock haben! 


Man muss regelrecht geil darauf sein, ein Problem zu lösen, einen neuen Weg zu gehen. Schon Joseph Schumpeter erkannte, dass es dabei nie wirklich ums Kohle machen geht (extrensisch), sondern dass Menschen, die kreativ und innovativ leben, denken und arbeiten, vor allem psychologisch motiviert sind, das aus sich selbst heraus tun und wollen. Sie WOLLEN. Zu diesen Faktoren gehört auch die „Freude am Gestalten“. 

Freude am Gestalten, das haben sicher alle schon gehört, die mal in der Waldorfschule waren. Seinen Namen tanzen und so. Aber bei allem Zynismus undbei aller Ironie, Waldorfschüler haben den normalen Brav-Angepasstsein-Schafherden-Schulen echt SO EINIGES voraus! 

Schon Albert Einstein sagte: „Ich habe überhaupt keine besonderen Talente. Ich bin einfach nur leidenschaftlich neugierig.“ 
 

Das Problem bei der Innovation ist, wir wollen es alle sein, tun aber nur so.


Das Problem bei der Innovation ist, wir wollen es alle sein, tun aber nur so. Denn „innovative Maßnahmen“ werden allzu oft von außen einfach so übergestülpt. Dann starten in Firmen Innovations-Programme, man installiert ein Innovations-Management. Und dann heißt es, ja Mensch, nun seid halt mal kreativ! Seid doch mal innovativ! 

Aber so wird dat nüscht. Denn wir tun dann nur so. Wir faken. Und dann kommen so tolle Sachen rum wie Design Thinking und VUKA-Methoden und dann reisen wir mal mit der IHK ganz verrückt und ohne Krawatte ins Silicon Valley, und denken, boah, sind wir crazy.

 Bild via  Polyvore

Bild via Polyvore

Aber echte Neugier, wirkliche Lust auf Veränderung und Kreativität ist nicht da. Weil wir es nie so wirklich standardmäßig lernen. Wir tun begeistert, sind es aber nicht. Im Grunde wollen wir gar nicht, dass irgendwas sich verändert. Es soll doch bitte schön alles so bleiben, wie es ist. Ist doch gut so! Oder etwa nicht?!

Innovation und Kreativität entsteht nur aus dem Kern heraus. Von uns selbst. Aus dem inneren. Aus unseren Herzen. Wenn wir es wirklich wollen. Wenn Unternehmen das wirklich wollen. Und sich nicht nur damit schminken. Und unter der Maske sich ein Angsthase versteckt. 

Es gibt nämlich eine weitere, ganz wichtige Zutat. Vielleicht die wichtigste überhaupt. Um innovativ sein zu können, müssen wir „unartig“ sein. Unser Ding machen. Regeln brechen. Andere Wege gehen. Und wenn wir uns das trauen, folgen Neugier und Lust automatisch. Aber die wenigsten trauen sich das. Die wenigsten Unternehmen, die wenigsten Menschen. Weil: Angst. Vor allem. Was die Nachbarn sagen. Dem Gegenwind. Und überhaupt. 

Seinen ganz eigenen Weg zu gehen, Regeln zu brechen, nach eigenen Vorstellungen zu leben, denken und zu arbeiten, Konventionen brechen, das erfordert Mut. Haben wir den? 

Aber: Man kann es lernen! Zum Beispiel in meinem DAS MACHT MAN DOCH NICHT - TAGESSEMINAR am 25.11.2017 in Köln. Eine handvoll Plätze gibt es noch! Hier Info & Buchen